Words By
Alberto Mediavilla

Der Naranjo de Bulnes, oder Picu Urriellu, wie er bei den Einheimischen bekannt sind, ist der kultigste Berg Spaniens. Ein Felsenturm aus bestem Kalkstein, der von allen Seiten nur durch technisches Klettern bestiegen werden kann. Von seiner Erstbesteigung 1904 durch einen Aristokraten und einen Schäfer bis hin zu den neusten extremen Freiklettereien durch die Brüder Pou und Alex Huber, setze er Meilensteine und zeigt die Evolution des Felskletterns in Spanien.

Aber der Picu ist weitaus mehr als nur extremes Freiklettern oder technisches Big-Wall-Epos. Unter den mehr als 80 Routen finden sich Routen für jede Form von (Trad) Kletterern, egal welchem Schwierigkeitsgrades. In unserem Falle ist es die South Direct Route. Für Anfänger ist es die populärste Route, weil sie Top-Felsqualität, komfortable Standplätze auf Absätzen und einen einfachen Rückzug bietet.

Der Zustieg

Der kürzeste Zustieg zum Berg ist von Norden aus. Kurz bevor man zum Dorf Sotres gelangt, biegt ein Schotterweg nach „Pandeabano“ ab, unterhalb des Passes dieses Namens. Von hier aus führt ein gut markierter Pfad in zwei bis zweieinhalb Stunden zur Urriellu-Hütte, oder zum Fuß der Südwand in drei, dreieinhalb Stunden. Der Aufstieg beträgt 900 m zur Hütte und ungefähr 1 200 m zum Fuß der Südwand.

Die Klettertour:

Die Route folgt einer Vielzahl von Merkmalen im Fels, darunter vertikale Tunnel, Taschen und V-Formen, durch kompakten, griffigen Kalksteinfels bester Qualität, der immer eine Menge guter Griffe bietet.

Erste Seillänge (10 m, V-): Die Referenz für den Start sind drei Rinnen links eines schmutzigen großen Risses, in dem ein Schlaghaken in der Mitte der Wand steckt. Diese Rinnen sind auch die Schlüsselstelle der Route, der Standplatz (2 Haken mit Kette) befindet sich rechts davon.

Zweite Seillänge (35 m, IV+): Die Route beginnt nach dem ersten Haken mit einer kurzen Traverse nach rechts und folgt dann auf direkter Linie bis zum nächsten Standplatz auf einem breiten Absatz, leicht links der charakteristischen V-Form in der Mitte der Wand. 3 fixe Haken, einige Bandschlingen und viele Platzierungen für Friends machen das zu einer sehr sicheren Seillänge.

Hinweis: die ersten zwei Seillängen können zu einer einzelnen verbunden werden, aber achte auf Seilzug!

Dritte Seillänge (25 m, III+): Diese kurze Seillänge folgt der charakteristischen V-Form, an dessen Ende sich der Standplatz befindet (2 Haken mit Kette).

Vierte Seillänge (35 m, IV+): Meiner Meinung nach die schönste Seillänge der Route. Es geht gerade aus nach oben, einer perfekten Rinne folgend, die dich auf die Kante des charakteristischen Amphitheaters der Südwand führt. Nachdem du erfolgreich durch diese Seillänge navigiert hast, hast du auch schon die größten Schwierigkeiten geschafft. Sie ist sauber und mit gut gelegenen Placements zu klettern.

Fünfte Seillänge (35 m, III+): Diese einfache, leicht geneigte Seillänge führt dich ans Ende der technischen Kletterei der Route. Klettere leicht nach rechts, bis du einen breiten Absatz mit dem letzten Standplatz (2 Haken mit Kette) erreichst. An diesem Punkt klettern viele Teams unangeseilt (Vorsicht vor losen Steinen!) weiter, erst etwas nach links traversierend, bis man auf eine Runse (II) trifft, die dich mitten auf den Gipfelgrat bringt. Einmal hier oben, ist es nur noch eine kurze Wanderung bis zur Gipfelaussicht!

Produkte, die in diesem Summit Special benutzt wurden

Der Abstieg:

Klettere bis zum letzten Standplatz zurück. Mit 60 m Zwillingsseil kommst du in drei Abseilstrecken schnell runter:

Abseilstrecke 1 (35 m): Von Punkt 5 zu 4.

Abseilstrecke 2 (58 m): Von Punkt 4 zu 2.

Abseilstrecke 3 (50 m): Von Punkt 2 zum Wandfuß.

Beste Reisezeit

Die beste Zeit für die Besteigung des Naranjo ist von Ende März bis Mitte Oktober. Wenn Du vor Anfang Juni klettern willst, können für den Zustieg im Bereich der Nordwand immer noch Steigeisen nötig sein.

Unterkunft

Die South Direct Route kann vom Tal aus an einem einzigen, langen Tag geklettert werden, aber die meisten Kletterer gehen es locker an und übernachten in der Hütte an der prächtigen Westwand. Am besten bucht man im Voraus – http://reservarefugios.com/

Vielen Dank an Alberto für diesen Bericht vom Naranjo de Bulnes. Wenn dich das Summit Special begeistert hat, folge Alberto auf Instagram und Facebook.

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Born in Bilbao, Alberto moved to the Picos de Europa almost 17 years ago, where he has developed a career as an International Mountain Leader and Avalanche Forecaster. Alberto also works as our Marketing & Communication Coordinator for the Spanish market.