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Matthieu Portefaix

Die Drus. Wer hat noch nie von diesen Gipfeln gehört? Sie kommen in so vielen Geschichten vor, dominieren schlank und stolz das Tal von Chamonix und werden ihrem Ruf meh als gerecht.

Ein kurzer Name, der aber alles über diese beiden Gipfel sagt: Le Petit Dru und Le Grand Dru. Drei Buchstaben, ein rustikaler Name. Ein asketisches Aussehen. Gepflastert mit Geschichten, Legenden und Heldentaten. Geschichten über die Routen, die diese Berge berühmt gemacht haben. Le Couloir Nord des Drus, Ende Dezember 1973 von Ceccichel et Jager eröffnet, die Route Pierre Allain, auf der Nordseite von Allain and Leininger 1938 eröffnet, und ganz sicher der sagenumwobene Bonatti-Pfeiler, in 5 Tagen im Solo-Stil 1955 eröffnet. Diese unglaublichen Erfolge haben sich in die Geschichte des Alpinismus eingebrannt. Lass uns einige Jahre zurückgehen, zur Erstbesteigung der Grand Dru 1878, einem Meilenstein der damaligen Zeit. Und doch wurde die erste Traverse der Petit und der Grand Dru nicht vor 1903 von Ravanel, Girrand und Comte geschafft.

Im Vergleich zu den Anfangstagen alpiner Eroberungen haben sich die Zeiten zum 29. August 2017 schon etwas geändert! An diesem Tag treffe ich mich mit Julien, einem befreundeten Bergführer. Um die Sommersaison zu beenden, beschließen wir, gemeinsam die Traverse in Angriff zu nehmen, eine wunderschöne, klassische Linie, die eine Kletterei durch die glorreichen Zeiten des Alpinismus darstellt.

Wir marschieren in Richtung der Charpoua-Hütte; dies garantierte uns eine ganz andere Szenerie, weg von den Massen in Chamonix und den Mengen von Alpinisten auf den anderen Routen rund um das Massiv. Der Hüttenwart ist liebenswert und seine Hütte ist eine der wenigen, die wirklich noch Seele hat. Sie ist einfach und bietet nur, was man wirklich braucht und nicht mehr. Wenn man in der Stille hier oben lauscht, meint man, die Geschichte des Alpinismus aus jedem Brett und jedem Paneel zu hören. Das alte Holz knarrt; es erzählt die Geschichten von gemeinsamen Momenten am Seil und dem lauten Lachen dieser alten, bärtigen Männer, den Pionieren.

Wir bekommen nur eine Mütze voll Schlaf und stehen früh auf, um unsere eigene Geschichte zu schreiben. Es ist immer noch Nacht, als wir den gewundenen Charpoua überqueren. Unsere Routenbeschreibung zeigt uns vage den Weg hinauf durch ein Couloir, aber nach einigen hundert Metern erreichen wir den Grat Flammes de Pierres. Wir folgen dem Grat so lange, bis er in der großen Wand über uns verschwindet. Auf unserer linken Seite sehen wir, was nach den 2005 und 2011 aufeinanderfolgenden Abbrüchen noch vom Westpfeiler übriggeblieben ist. Eine Erinnerung daran, dass die Gefahren in alpinem Gelände nie weit entfernt sind. Es ist immer noch stockfinster, aber wir sehen einige helle Punkte um das Tal herum. Viele weitere Bergsteiger starten auch so früh vom Grandes Jorasses zur Aiguilles de Chamonix.

Die Bedingungen sind fantastisch. Es ist nicht einmal sehr kalt. Das Klettern macht Spaß und ist nie allzu schwer. Nach einigen harten Zügen kommen wieder einfache Abschnitte, und immer auf gutem Fels. Wir stoßen einige Male auf die Hinterlassenschaften unserer Vorgänger und finden alte, hölzerne Keile in Rissen. Unsere Absicherung ist doch etwas moderner.

Langsam geht die Sonne auf. Das Massiv erwacht und wir hören Steine fallen und Séracs knirschen, während das Tal allmählich in der Sonne liegt. Um 8 Uhr morgens erreichen wir den Gipfel der Petit Dru. Er ist ein wichtiger Ort der Alpingeschichte. Bonatti, Cecchinel und all die anderen großen Alpinisten kamen hierher und winkten der Jungfrau zu, alle von derselben Leidenschaft angetrieben.

Wir können nicht lange rasten und sind bald unterwegs auf dem Abstieg zu den Breche des Drus, dem Einschnitt zwischen der Petit und der Grand Dru. Der Führer ist gut durchdacht und wir finden schnell den Weg. Nach Bewältigung des Grand Dru nach spektakulärer Kletterei erreichen wir schließlich den Gipfel. Wir genießen den Moment, einen ganz einfachen Moment, umgeben von der Verte, der Charpoua und anderen berühmten Bergen.

Dann machen wir uns an den Abstieg und seilen einer nach dem anderen ab. Der Komfort, an geschraubten Haken abzuseilen, verblasst jedoch schnell, als die Steine an uns vorbei pfiffen. Der Berg erinnert uns, dass wir hier nur zu Gast sind, und wir beeilen uns. Es dauert beinahe dreieinhalb Stunden, um auf sicheres Terrain zu gelangen, weit weg von den pfeifenden Steinen. Ich stelle fest, dass uns der Berg auf diese Weise vielleicht seine eigene Zukunft im Angesicht des Klimawandels erzählt. Sogar dieser Ort wird sich mit der Zeit verändern.

Es ist ein scharfer Kontrast zum abweisenden Berg, als wir zurück in die Charpoua-Hütte kommen, einem geselligen, menschlichen Ort mitten in dieser wilden Umgebung. Unsere Sinne sind geschärft von unserem Erfolg und der Begegnung mit den Gefahren des Berges. Wir setzen uns zu einem einfachen Mahl, und nach den Anstrengungen des Tages schmeckt das Essen frischer. Einfache, aber wichtige Dinge, etwas, das wir alle mit denen teilen, die diesen Weg gegangen sind.

Vielen Dank an Matthieu für den Bericht! Wenn dich der Bericht inspiriert hat, folge Matthieu auf Instagram und Facebook.

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Triglav

Matthieu is a French mountain guide and photographer, who splits his time between climbing and skiing throughout the Alps. When he's not working with clients his free time is dedicated to pursuing the classic peaks and descents of his beloved home mountains.