Mit dieser Serie möchten wir dir die Rab-Familie vorstellen, all die Charaktere, die die Geschichte der Firma geformt haben und die uns in die Zukunft bringen werden. Was inspiriert sie? Wie beeinflusst die Arbeit bei der Firma ihr Leben? Wir stellen dir Profile aus dem ganzen Spektrum von Mitarbeitern vor, von Designern mit einer Vision für die Produkte von morgen bis hin zu den Mitarbeitern im Lager, die dafür sorgen, dass dein Händler vor Ort seine Aufträge schnell erhält – jeder hat eine Geschichte, und in dieser Serie wollen wir sie erzählen.

Diesen Monat setzen wir uns mit Kate Ennis zusammen, frisch beförderte Senior Designerin bei Rab, um herauszufinden, wie sie zum Design kam, was es braucht, ein guter Designer in der Outdoorbekleidungsbranche zu werden, und wie ihre Leidenschaft fürs Klettern ihren Zugang zum Design beeinflusst.

Wann wurdest du zum ersten Mal auf die Marke aufmerksam?

Ich bin aus Ambleside im Lake District, war also immer von Natur umgeben, und arbeitete in Outdoor-Läden. Meine Oma arbeitete auch in einem Outdoor-Laden. Sie arbeitete im ersten Outdoor-Laden in Ambleside, der jetzt Adventure Peaks heißt. So kannte ich Rab schon lange, aber als ich jünger war, besaß ich noch keine Rab-Produkte. Die erste Rab Jacke, die ich kaufte, war eine Ascent Daunenjacke, die hatten alle in meiner Familie. Ich liebte sie, und ich glaubte, dass es das beste Teil überhaupt ist. Jetzt arbeite ich schon seit sechs Jahren für die Firma.

Warum bist du Designerin geworden?

Ich habe in Brighton Modedesign studiert, aber auf eine sehr konzeptionelle, avantgardistische Art. Das war hinsichtlich Mode nicht sehr kommerziell, es war ziemlich abgefahren, alles war möglich. Das war schon cool – wir waren nur 15 Leute im Kurs, und ich glaubte damals daran, eine kleine Designerin in London zu werden, die nur Einzelstücke herstellt. Nach der Uni ging ich mit meinem Freund dann auf Weltreise. Zwei Jahre lang kletterten wir nur und lebten dabei in Vans. Danach passte die Vorstellung eines Daseins als Nischendesigner natürlich nicht mehr wirklich zu meinem Lifestyle. Warum sollte ich ein hübsches Kleidchen tragen, wenn ich doch in einem Van lebe?!

Wir kamen zurück und ich entschloss mich, meine eigenen Kletterhosen zu entwerfen. Ich erkannte eine Marktnische und eröffnete meine eigene Klettermarke „Godsrock“. Jetzt, im Nachhinein, denke ich, dass der Name vielleicht doch nicht so gut war, denn die Leute dachten, es gäbe irgendeine religiöse Konnotation! Aber tatsächlich ging es um Gottes eigenen Fels, und darum, in Yorkshire zu leben und Granit zu klettern. Ich hatte eine kleine Kollektion und eine Webseite und verkaufte in einigen Läden. Das Design, die Produktion und den Verkauf erledigte ich selbst. Das war hart! Ich beschloss, etwas mehr Erfahrung zu sammeln, also nahm ich einen Job bei Tog24 an, das in meiner Nähe lag. Die Produktion war damals noch auf dem Gelände, was toll war, denn man konnte den kompletten Prozess sehen: man konnte das Design erstellen, ein bestimmtes Muster dafür erstellen und man konnte mit jemanden zusammenarbeiten, um ein Musterstück zu erstellen. Dann nahm ich die Möglichkeit wahr, für Lowe Alpine zu arbeiten, damals, als sie noch Kleidung herstellten, und nach drei Jahren wechselte ich zu Rab.

Was braucht es, ein guter Designer zu sein?

Das kommt auf die Firma an. In allen Firmen, für die ich gearbeitet habe, waren es kleine Teams, da geht es schnell zur Sache. Ich habe nie für eine große Firma gearbeitet, wo der Job wahrscheinlich mehr auf das Design fokussiert ist. Normalerweise habe ich eine Menge unterschiedlicher Sachen zu erledigen. Du musst fähig sein, das alles zu stemmen. Als ich anfing, konnte ich nicht mit Photoshop oder Illustrator umgehen, da wir an der Uni alles von Hand zeichneten. Ich musste das alles lernen …

War das ein Vorteil? Du meinst, das Von-Hand-Zeichnen, statt sich auf den Computer zu verlassen?

Ich glaube ja … Es arbeiten viele verschiedenen Leute daran mit, manche mit einem Background im Produktdesign, manche mit dem eher technischen Hintergrund der Gewebe. Ich mag es, die Moodboards mit ihren Farben zu erstellen, da ich so immer noch die Kreativität, die mir die Uni vermittelt hat, anwenden kann, also die Herangehensweise mit dem Skizzenbuch; Farben und Trends eben. Wenn du vom Modedesign kommst, ist dir nicht nur die Funktionalität des Produktes wichtig, sondern auch, dass es schön ist und gut aussieht, was meiner Meinung nach derzeit sehr wichtig ist für die Outdoor Ware. Ich denke, „Outdoor“ ist momentan sehr modisch, die Leute wollen Erfahrung und Abenteuer. Menschen haben mehr Interesse daran, draußen zu sein, daher werden die Farben wieder gedeckter, nicht mehr so alpin. Unser Fokus wird es immer sein, eine authentische Outdoor-Marke zu sein, unser Fokus wird immer High-End sein, aber gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass vielleicht die große Mehrheit unserer Kunden das nicht ist, daran müssen wir denken und auch modische, gedecktere Farben anbieten.

 

Was sind die größten Herausforderungen deiner Position, was bereitet dir am meisten Druck?

Ich glaube, das ändert sich. Wir haben einen Sechsmonatszyklus. Jetzt (Ende August 2017) sind wir am entscheidenden Punkt, die Farben und die Kollektion für Frühjahr-Sommer 2019 festzulegen. Wir arbeiten anderthalb Jahre im Voraus. Lustigerweise ist es schwierig, sich daran zu erinnern, in welchem Jahr wir gerade sind! Aber fast immer schauen wir auch auf die Produkte der vergangenen Saisonen, haben also gleichzeitig drei Saisonen im Blick und versuchen, den kommenden Winter (2019) zu planen. Das ist sicherlich für alle eine Herausforderung.

Für mich persönlich sind die größte Herausforderung die Farben. Wir arbeiten wirklich hart daran, spannende Farben zu entwerfen, die es dann aber vielleicht niemals auf den Markt schaffen, weil wir letzten Endes einfach auch Geld verdienen müssen. Es ist das Gleiche mit unseren wirklich aufregenden Technologien, die wir pushen wollen. Die können ein ziemliches Nischenprodukt sein. Das ist der Grund, warum es unabhängige Läden braucht, da diese diejenigen sind, die uns bei diesen interessanten und aufregenden Produkten wirklich unterstützen. Sie gehen ein Risiko ein, aber manchmal reicht selbst da die Stückzahl nicht, um daraus ein lebensfähiges Produkt zu machen.

Wenn wir schon über Farben reden, wie sagst du Farbtrends voraus? Worauf schaust du? Setzen wir Trends oder schaust hast du andere Inspirationsquellen und Branchen?

Es gibt eine komplette Branche, die sich mit Farbtrendvorhersagen beschäftigt. Wir nutzen verschiedene Webseiten und Agenturen, die wirklich hilfreich sind. Sie sind überall auf der Welt und sehen sich verschiedene Trends an, sie schauen darauf, was politisch und ökonomisch passiert, sogar auf Nahrungsmittel und Bier. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Bierbranche, speziell auch Ale, mittlerweile ziemlich angesagt ist, beeinflusst unsere Farbtrends. Es ist wirklich interessant, es geht um Verhaltensweisen. Ich würde gerne mehr Zeit damit verbringen, Farben zu analysieren! Wir schauen auch auf die Verkäufe der vorherigen Saisonen, was lief gut und was nicht. Meistens ist es die hellste Farbe, die nicht so gut lief, aber wir brauchen trotzdem poppige Farben in unserer Kollektion, also beobachten wir die Trends und bringen neue, trendige Farben in die Saison.

Kannst du uns den Prozess von der Idee bis hin zur Produktion erklären?

Jetzt gerade beschäftigen wir uns mit die Kollektion für Frühjahr/Sommer 2019. Zuerst schauen wir, was uns fehlt, was nicht funktioniert hat und welche neuen Produkte wir einführen wollen. Danach verteilen wir die Produkte im Design-Team. Dann gehen wir über zu den Stoffen, zu den Entwicklungen und Innovationen, die wir einbringen wollen. Gleichzeitig schauen wir auf die Farben und entscheiden die Farbpalette für diese Saison. Zu den Farben müssen Lab-Dips gemacht werden. Dabei werden die Farben unserer neuen Farbpalette mit dem Hersteller der Stoffe abgestimmt. Farben zeigen sich auf verschiedenen Stoffen unterschiedlich, daher braucht man mehrere Dips, um den richtigen Farbton zu finden. Zum Beispiel reagieren Nylon und Baumwolle sehr unterschiedlich, wenn sie gefärbt werden. Wenn das geschafft ist, erarbeiten wir die Spezifikationen, Größentabellen und die Detailansichten in Illustrator und senden diese an die Fabriken. Diese produzieren dann einen Prototyp, den wir genau inspizieren und die Passform an Modellen überprüfen. Danach schicken wir unsere Kommentare an sie zurück.

In der nächsten Etappe fahren wir zu den Fabriken und sprechen direkt mit ihnen, da vieles durch die Übersetzungen verloren gehen kann. Es ist wirklich gut, die Leute zu treffen, mit denen man kommuniziert hatte. Wir sehen uns dort den zweiten Prototypen an und geben unsere Kommentare dazu ab. Ein paar Wochen nach unserer Rückkehr bekommen wir dann den letzten, endgültigen Prototypen. Zuletzt kommen wir zu den Details. Wir entscheiden uns für die Farben der Reißverschlüsse und Bänder, da diese von spezialisierten Herstellern und nicht von den Fabriken kommen. Wenn das alles erledigt ist, erhältst Du hoffentlich einen Karton mit einem glänzenden neuen Warenmuster, das alle Vertriebsmitarbeiter unseren Einzelhändlern zeigen können. An diesem Punkt endet unsere Arbeit und wir übergeben an das Bekleidungstechniker-Team. Es dauert also etwa sechs Monate, bis wir unseren Teil der Arbeit übergeben, etwa eineinhalb Jahre bevor die Produkte auf dem Markt sind.

Gibt es ein Produkt, das Du entworfen hast, das vielleicht jemand besitzt, der dies gerade liest? Gibt es ein Produkt, auf das Du besonders stolz bist?

Also, im Design-Team ist es natürlich ein kollaborativer Prozess. Ich habe die Kletterkollektion betreut, weil ich wirklich daran interessiert bin. Ich trage die Asylum Jacke, weil ich glaube, dass es die perfekte Boulderjacke ist. Die Gravity Hose trage ich bei jedem Wetter. Unter den anderen Produkten, die im Team entworfen wurden, mag ich die Flashpoint Jacke besonders gerne, weil sie so leicht ist, dass ich sie die ganze Zeit trage, und auch die neue Photon X Jacke wurde für diese Saison neu entwickelt.

Also beeinflussen Deine Erfahrungen am Berg und an der Wand, Deinen Zugang zum Design?

Oh ja, definitiv. Ich nehme auch regelmäßig die Prototypen mit an den Fels, um sie zu testen. Beim Klettern bin ich wie besessen von einer guten Passform, und meine Erfahrungen gestalten die Produkte, definitiv. Die Asylum Jacke ist entstanden, weil ich fand, dass alles auf dem Markt immer nur noch leichter wurde, das war aber nicht das, was ich brauchte. Zum Alpinklettern ist es natürlich wichtig, leicht und warm unterwegs zu sein, aber fürs Bouldern willst Du etwas, das super haltbar ist. Gewicht ist da nicht wirklich wichtig. Boulderer wollen etwas Haltbares. Beim neuen Kinder Smock ist es genauso, der sieht toll aus und hält wirklich was aus.

Manchmal muss man seine Erfahrungen aber auch etwas zügeln, es muss dir immer klar sein, was auf dem Markt passiert, und Du darfst dich nicht nur auf deine eigene Meinung verlassen. Ich trage zum Beispiel keine Leggings, aber die sind auf dem Markt momentan ein massiver Trend.

Es ist wirklich befriedigend, mit einem Prototypen an der Wand unterwegs zu sein und die Leute kommentieren dann ‚oh, die sind schön‘ oder ‚oh, woher kann ich die bekommen?‘. Ich war gerade auf dem Women’s Trad Fest und es war toll, dort viele Frauen in unserer Ausrüstung zu sehen, und zu merken, wie viel Anerkennung unsere Marke dort bekommt.

Also bist Du viel geklettert?

Auch wenn ich von den Lakes komme, bin ich dort gar nicht so viel geklettert. Meine erste Erfahrung mit ernsthaftem Klettern war nach der Uni, als wir die zwei Jahre unterwegs waren. Ich lernte das Sportklettern in Canmore in Kanada, und kurz darauf in Thailand. Also wirklich hier in der Nähe! Inzwischen bin ich dort überall geklettert. Wir gehen in den Ferien zum Klettern, Bouldern aber meistens. In den Rocklands in Südafrika, in den Staaten, in der Schweiz, oft in Fontainebleau, wir haken die Liste der klassischen Standorte ab. Bei uns in der Nähe von Skipton gehen wir am Granit klettern, am Almscliff zum Beispiel. Wenn das Wetter trocken ist, gehen wir so oft wie möglich raus.

Zum Schluss die Frage, welche zukünftigen Entwicklungen siehst Du in der Outdoorbekleidung?

Die Zukunft für uns bei Rab, nun, natürlich haben wir eine Menge neuer, spannender Produkte! (Gelächter) Wir versuchen einfach nur, unsere Produkte ständig zu verbessern. Wir wollen unserer Marke treu bleiben und überarbeiten unsere Produkte, wir machen sie besser, leichter und haltbarer. Wir halten Ausschau nach neuen Entwicklungen, neuen, spannenden Technologien und versuchen, diese in unsere Kollektion zu integrieren. Was Trends angeht, ist Bouldern ein enorm wachsender Markt, wohingegen Trad-Klettern immer weniger wird. Darum ist das Women’s Trad Fest so wichtig, denke ich. Überall schießen gerade spezielle Boulderhallen wie Pilze aus dem Boden, weil Bouldern so zugänglich ist, es kostet nicht viel und man braucht nicht so viel Ausrüstung. Kleine Kinder können bouldern, und wenn Bouldern, Sportklettern und Speedklettern erst einmal olympische Disziplinen sind, werden sicherlich viele Leute anfangen zu klettern.

Vielen Dank an Kate. Wenn Du beim Lesen des Mitarbeiterprofils Spaß hattest und Du denkst, dass Deine Expertise gut zu Rab passt, dann schau bitte hier in die Liste offener Stellen.

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