Words By
Jacob Cook

„So fühlt es sich also an, so richtig engagiert zu sein?“ fragte Mike.

Wir waren zu ungefähr zwei Dritteln auf dem Nordostpfeiler des Mount Slesse in British Columbia, Kanada. Nick führte, stemmte sich zwischen matschigen Schnee und bröckeligem Felsband, die nackte linke Hand auf dem Fels, in der rechten Handschuh und Eisgerät.

Von unserer Hühnerstange auf dem Kamm aus blinzelte ich hinunter in die Mulde, die von der 1 000 m vertikalen Ostwand geformt wird. Alle paar Minuten schoss eine Mixtur aus Fels und Eis von oben herunter und explodierte unten an den Hängen. Es war noch früh in der Saison und der Schnee des Winters schmolz, und der ganze Berg bröckelte scheinbar auf allen Seiten an uns vorbei.

Den Gipfel erreichten wir früh am Abend, und anstatt den heimtückischen Abstieg über den „Crossover-Pass“ zu nehmen, entschlossen wir uns, auf der falschen Seite des Berges abzusteigen, und so im falschen Tal, weit weg von unserem Biwak, herauszukommen. Nachdem wir uns 20 Kilometern querfeldein durchgeschlagen hatten, biwakierten wir an einem ausgetrockneten Flussbett und saßen fröstelnd am Lagerfeuer. Am nächsten Morgen wanderten wir, durchgefroren und hungrig, weiter bis zur Straße.

„Ich bin mir nicht so sicher, ob Alpinklettern etwas für mich ist …“

Das Erlebnis war beängstigend und auch etwas peinlich. Ich sah mich selbst als guten Kletterer, und meinen Kumpels über mein unglaubliches Abenteuer auf einer der moderateren klassischen Alpinrouten in dieser Gegend zu erzählen, war etwas unangenehm. Ich beschloss den Rest des Sommers mit Sportklettern zu verbringen und definitiv nicht zum Slesse zurückzukehren …

„Tony … hier steht: entkoffeiniert.“

Tony sah mit düsterer Resignation zu mir auf. Es war 2 Monate später und wir biwakierten in der fünften Seillänge in der Ostwand des Slesse … ohne richtigen Kaffee. Ich schlief schlecht und schreckte oft hoch in dem Glauben, eine Steinlawine zu hören.

Tony McLane war eindeutig extrem motiviert für diese Kletterei; ich war der vierte Seilpartner, den er zwei Sommer hintereinander geködert hatte, hier heraufzukommen. Er wollte die zweite Besteigung und die erste freie Durchsteigung dieser riesigen Wand links der klassischen Nordostpfeilerroute schaffen. Die Ostwand des Slesse ist so etwas wie die düstere und unheimliche Version des El Capitan. Beide Wände sind ungefähr gleich groß, aber zu El Cap kommen Unmengen an Touristenbussen und er besteht aus einer Menge goldenem Granit, während man beim Slesse viele Meilen lang keine Menschenseele trifft und er aus schlechtem Fels besteht, nur unterbrochen von Streifen mit sehr schlechtem Fels.

Die Kletterei oberhalb des Biwaks stellte sich als beschwerlich und langsam heraus. Wir untersuchten einen Irrgarten aus flachen Kanten und Rissen, die sich dann aber als fest geschlossene Nähte im Fels herausstellten. Am Klettern mit Tony mag ich am meisten, dass das Ego in dieser Partnerschaft keinen Platz hat. Mehrmals forderte ich das Unbekannte heraus, kletterte los und rief hinunter „Tony, ich hab’s verbockt!“ Ich zog mich zum Standplatz zurück und er übernahm die Führung. Wir wechselten uns ab und schoben uns langsam die Wand hinauf. Fünfmal an diesem einen Tag wurde die Kletterei ziemlich gefährlich. Wir zogen den Bohrer heraus und bohrten Sicherungen ein, im Vorstieg, aus echt zwielichtigen Stellungen heraus. Wir kletterten 6 Seillängen, aber nachdem wir unser Seil an zwei Stellen beinahe durchschnitten hatten, beschlossen wir, dass der Big-Wall-Stil wahrscheinlich nicht die beste Taktik war. Ich schlug vor, die Taschen mit dem Material abzulassen und schnell zum Ausstieg zu klettern. „Wir werden es trotzdem nicht schaffen.“, merkte Tony an. Wir gaben auf, beschlossen aber, später mit einem Zwillingsseil und minimaler Ausrüstung wieder zu kommen und die Wand in einem Anlauf zu nehmen.

Der nächste Monat verlief sehr angespannt.

Speziell Tony hatte Angst, dass ihm jemand die Erstdurchsteigung vor der Nase wegschnappen könnte. Er schickte mit Nachrichten mit den Namen von verschiedenen bekannten Kletterern und sagte Dinge wie „So-und-so erledigt solche Routen nebenbei!“ Wir wussten beide, dass die Route irgendwann durchstiegen wird, und uns juckte es, endlich zurückzugehen und es endlich zu Ende zu bringen.

Am 4. September navigierten wir mit meinem Van die 20 Kilometer die holprige Piste hinunter und wanderten zum Slesse, schon mein drittes Mal diesen Sommer. Wir biwakierten am letzten Wasserlauf und stellten unsere Wecker auf 4 Uhr früh. Vieles am Alpinklettern hat damit zu tun, es sich an unkomfortablen und einschüchternden Orten bequem zu machen. Verglichen mit meinem ersten Trip, als der komplette Berg mit Ängsten gepflastert war, hatte ich dieses Mal einen Plan. Ich vertraute Tony zu 100 % und auch wenn unsere Route deutlich härter war, fühlte ich mich wesentlich wohler.

Noch vor Sonnenaufgang brühten wir uns Kaffee (dieses Mal richtigen Kaffee!) und gingen vorsichtig durch das Blockgelände, welches die Gletscherlawinen im Sommer hinterlassen hatte. Am Wandfuß redeten wir nur flüsternd miteinander, eingeschüchtert vom riesigen Amphitheater über uns. Dieses Mal nahmen wir beinahe nichts mit: ein 8 mm Zwillingsseil, das kleine, leichte Set an Sicherungsmaterialien, einen Liter Wasser und eine Tüte Nüsse. Wir kannten den Weg und konnten uns so sehr viel schneller bewegen. Wir wechselten die Führung ab und kamen schon am frühen Abend zum höchsten Punkt der letzten Tour.

Der Fels in der ersten Hälfte ist halbwegs gut und das Klettern ist vom Typ „Augen-zu-und-Plattenschleichen“. Oberhalb davon ändert sich der Fels und wird stellenweise beängstigend brüchig. In der Mitte der Wand, hinter einer Kante, riss Tony einige lose Steine heraus und machte ziemlichen Lärm. Ich rief hinunter: „Bist du ok?“, worauf ein „Ich bin nicht gestürzt!!“ zurückkam. Tony hing einarmig am letzten in der Wand verbliebenem Griff. Wir gingen weiter und Tony führte viele der oberen Teile in einer einzigen, riesigen Seillänge. Ich kletterte simultan hinterher. Ich zog mich auf eine Kante. Über mir baumelten die Seile, ohne eine einzige Sicherung daran, und kein Zeichen von Tony weit und breit. Jedes Mal, wenn ich etwas Chalk an einem Griff sah, war ich erleichtert, dass ich wenigstens ungefähr denselben Weg wie Tony nahm! Hundert Meter unterhalb des Ausstiegs lehnte sich die Wand zurück und aus dem Klettern wurde beinahe Wandern. Wir packten die Seile weg und stiegen ungesichert zum Gipfel.

Gegen 17 Uhr erreichten wir den Gipfel und verewigten uns im Gipfelbuch mit dem folgenden witzelnden Kommentar:

Slesse Ostwand – erste freie Durchsteigung. 

Willkommen im Biwak 1 000 m 5.11+ 

Durchgehend guter Fels und Absicherung. 

Tony McLane und Jacob Cook im September 2017.

Die Fähigkeiten, die in die Vollendung dieser Route flossen, fühlten sich an wie die Kulmination von vielen Jahren Erfahrung, vom Lernen des Trad-Kletterns hier in England über verschiedene Big-Walls im Yosemite und anderswo und sogar meines Fehlschlags auf dem Berg früher in diesen Sommer. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich diese Kletterei einem Freund empfehlen würde, bleiben mir auf ewig die gehörige Portion Abenteuer und die Erfahrung.

Ein großer Dank geht an Tony für die Vision, seine Stärke und sein Engagement, der schließlich vier verschiedene Seilpartner überredete, mit ihm da hochzugehen. Ich hätte mir keinen solideren, humorvolleren und ganz allgemein keinen besseren Partner wünschen können, mit dem ich mich zusammen auf so ein Abenteuer hätte einlassen können.

Jacob likes getting away from the every day and uses climbing to find ‘wild things and real experiences’. Whether it’s bold grit routes, big walls or solo aid missions, you can be sure that Jacob is having fun doing it. Originally from London, Jacob first started climbing with his Dad at the age of seven. After an apprenticeship on gritstone, which was helped by working on a PhD at Leeds University, Jacob worked his way through the grades.