Words by
Matthieu Portefaix

April 2018, das schnell nahende Ende der Saison des Bergführens im Winter. Dieser Winter war der Beste seit vielen Jahren, mit rekordverdächtigen Mengen an Schnee und wundervollen Bedingungen! Das Skifahren war unglaublich toll und wir alle fühlten uns geehrt, einen solch exzellenten Winter in den Bergen erlebt haben zu dürfen.

Das Altbekannte zu durchbrechen und beim Skifahren neue Horizonte zu entdecken ist für uns, die wir unsere Winter damit verbringen, mit unseren Kunden die regulären Routen zu machen, wie eine Sucht. Als sich die Möglichkeit ergab, mit Sylvain auf einen Trip in die Finnmark-Region in Norwegen zu fahren, weit weg vom Trubel in den Lyngener Alpen und den Lofoten, packte ich die Gelegenheit beim Schopf.

In dieser Region von Skandinavien und speziell der Rodoy Insel wurden die ältesten Belege für das Skifahren gefunden. Uralte Malereien illustrieren das Skifahren als tausende Jahre alte Transportmöglichkeit. Welchen besseren Ort gibt es wohl, den Sport zu genießen, als seinen potentiellen Geburtsort?

Das Basecamp für unseren Besuch der Finnmark lag westlich von Alta, an einem Ort namens Langfjordbotn. Unsere kleine Hütte lag direkt am Fjord, welcher dank des fantastisch kalten Wetters noch seinen Wintermantel trug und größtenteils sogar noch gefroren war. Die Hütte war nur spärlich ausgestattet, aber genau das Richtige für Urlaube wie diesen. Mit einer Feuerstelle und genügend Nahrungsmitteln wurde sie schnell zu unserer warmen und gemütlichen Heimat.

Von unserer Basis in Langfjordbotn aus wollten wir verschiedene Fjorde in der Gegend besuchen. Die Landschaft veränderte sich kaum, egal wo wir hinkamen. Manchmal waren die Berge rund wie wunderschöne Kuppeln, manche blank geblasen vom strengen Wetter, steile Wände sprangen förmlich in den Himmel, mit Rinnen, die direkt in die Fjorde unter ihnen führten. All das war für uns sehr inspirierend.

Dem Gefühl der endlosen Weite konnten wir hier oben nicht entkommen. Hier in Norwegen und speziell im Norden leben pro Quadratmeter nur wenige Einwohner, genau das hat natürlich einen großen Anteil daran, warum wir zum Skifahren hierherreisen. Nicht nur die Landschaft ließ uns wie Zwergen wirken, auch im Angesicht der Norweger, die wir trafen, kamen wir uns physisch ziemlich klein vor. Wir mochten uns vielleicht wie Wikinger fühlen, die die Fjorde erkundeten, , aber dies hier waren die wirklichen Nachfahren. Sie verkörpern noch die alten Traditionen und sind um den Schutz der Natur bemüht, die ihre Heimat ist.

Schon früh auf unserem Trip trafen wir Randy, Koch und Eigentümer eines der einzigartigsten Restaurants der Gegend. Ihre Kneipe ist ein warmer und einladender Ort, die Einheimischen treffen sich Abends hier, bevor sie nach Hause gehen. Randy liebt die norwegische Landschaft. Diese Region ist ihre Passion, sie ist politisch engagiert und kämpft für den Schutz der Umwelt, der Berge und des Meeres. Wir verbrachten einige Abende mit ihr und hörten ihr zu, was sie über die nordische Kultur und die Wikingerfolklore erzählte. Vor allem sprach sie darüber, was für die Finnmark in der modernen Welt alles auf dem Spiel steht.

Wie immer auf solchen Trips sind es die lokalen Gepflogenheiten, die wirklich bereichern. Sylvain und ich versuchten uns darin, in den Fjorden zu fischen, aber selbst mit Hilfe unseres Freundes Toré fingen wird nur Seegras.

Was das Skifahren angeht, hatten wir die Qual der Wahl. Hunderte möglicher Touren, alle mehr oder weniger gut erreichbar, auch so spät in der Saison. Für manche Touren mussten wir in einem Fischerboot den Fjord überqueren, und die besten Touren waren durch verschlungene und verworrene Grate geschützt, die den Zustieg natürlich etwas schwieriger gestalteten. Wir sind beide gelangweilt von den Pisten und Liften in Frankreich, dass wir für diesen Trip ganz bewusst die langen Touren heraussuchten, die uns der Natur wirklich nahbringen würden. Ein sanfter Zugang mit dem Kajak erlaubte uns, über die wunderschöne Umgebung zu sinnieren und war daher, wenn möglich, unsere erste Wahl.

Während einer Skitour vergeht die Zeit in einem anderen Tempo. Wir wissen nie wirklich, ob aus Minuten Stunden werden und umgekehrt. Der langsame Weg hinauf, unter der heißen Sonne und in Ruhe und Frieden, geht auf dem Weg hinunter über in Geschwindigkeit, Konzentration und Adrenalin!

Neben dem Trip unter Freunden, bei dem das Gemeinsame im Vordergrund steht, behalten wir nicht die Touren an sich in Erinnerung, sondern vielmehr diese unermesslich große Weite, wo die Natur den Menschen dominiert – und nicht anderes herum. Die Atmosphäre, die Kontraste, der Mix der Elemente: Ozean, Wasser, Schnee, Berge. Die letzten Schwünge einer Skitour nur einige Meter vor dem Ozean zu beenden, gewürzt mit dem strengen Geruch von Seegras und Gischt.

Auf der Tour genutzte Ausrüstung

Matthieu Portefaix is a photographer and mountaineer whose passion for climbing and skiing is driven by the solace he finds in the mountains. From a young age, Matthieu has sought out the ascents and lines that are a part of mountaineering heritage, paying respect to the past as he writes his own stories across slope and summit.