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Wenn du dein Leben in den Bergen verbringst, sowohl beruflich als auch privat, ist es ganz normal, dass du deine Liebe zu diesen wilden Orten und zu Abenteuern auch mit deiner Familie teilen willst. Aber wie stimmt man beim Klettern oder Wandern mit Kindern Risiken und die verschiedenen Fähigkeiten der Kids aufeinander ab? Wir sprechen mit Rab-Athlet Aaron Mulkey über seinen Gipfelerfolg am Gannett Peak gemeinsam mit seiner 15-jährigen Tochter, die Planung, die Vorbereitung und wie sich die Erfahrung der beiden unterscheidet.

Wer hatte die Idee zu diesem Trip?

Aaron: Das war meine Idee. Ich versuche, mit meiner Tochter zusammen mindestens einen großen Trip im Jahr zu machen. Letztes Jahr waren wir auf dem Beaten Path unterwegs, der sich über beinahe 50 km zwischen Cooke City, Mt und East Rosebud, Montana zieht. Dieses Jahr wollte ich dem Ganzen etwas Klettern hinzugeben, und gleichzeitig ein neues Gebiet in Wyoming erkunden, in dem ich noch nie war.

Afton: Mein Vater kam auf die Idee, und ich fand sie gut.

Wie kamst du auf ein Ziel, von dem du wusstest, dass Afton es auch schaffen würde?

Wie immer sind meine Ambitionen hoch und manchmal muss ich mich etwas bremsen, aber bei diesem Trip dachte ich, es wäre ein erreichbares Ziel. Es würde sicherlich nicht einfach werden, aber mit der richtigen Einstellung würde sie sich durchbeißen können.

Wart ihr beide zusammen auf vielen Klettertrips?

Das war ihr erster großer Klettertrip. Die meisten unserer Trips waren Tagesausflüge zum Felsklettern und/oder Eisklettern.

Wie konntest du sie überreden, mit Dir auf diesen Trip zu kommen?

Ich bin froh darüber, dass sie auch mit 15 noch ziemlich gerne mit mir abhängt und auch gerne neue Sachen ausprobiert. Sie hatte von meiner Frau und unseren Freunden einige Geschichten über die „Mulkey Missons“ gehört, daher ist sie immer etwas nervös, in was sie da wohl hineingerät. Für diesen Trip versuchte ich sie mehr an das Klettern im Schnee und an das Gehen mit Steigeisen zu gewöhnen, darum kletterten wir einige alpine Routen in dem Gebiet Beartooths bei uns in der Nähe. Wir haben auch einige Zeit beim Trailrunning und Wandern verbracht, was uns half, die beinahe 65 km hin- und zurück auf dem Gannett Trip zu schaffen.

An welchen Moment der Tour wirst du dich immer erinnern wirst?

Aaron: Der für mich denkwürdigste Teil ist wohl der Schlimmste für meine Tochter. Am Gipfeltag, ungefähr um 4 Uhr früh, wanderten wir zum Zustieg über den Gletscher. Afton war den ganzen Morgen über schon sehr still, hielt an und erbrach sich plötzlich mehrmals. Sofort dachte ich: „Alles klar, heute wird es nichts mit dem Gipfel, wir drehen um.“ Der Tag würde lang werden, und das bei großer Höhe, und sie hatte nun nichts mehr im Magen – das waren meine Sorge zu diesem Zeitpunkt. Wir sprachen miteinander und ich sagte ihr, dass wir entweder jetzt umkehren sollten oder wann immer sie sich danach fühlte. Sie trank etwas Wasser, aß ein wenig und sagte: „Lass uns weitergehen“. Ich erinnerte mich an ihre erste alpine Tour einige Jahre zuvor, als sie auf dem halben Weg nach oben erbrach und ich dieselben Gedanken hatte, aber sie lächelte und sagte: „Jetzt gehts mir schon besser“. Sie lernt, die Nervosität zu bekämpfen und ihr ist bewusst, wie ihr Körper mit diesen Situationen umgeht. Die meisten Erwachsenen, und wahrscheinlich erst recht die meisten 15-Jährigen, wären ihren Ängsten erlegen und hätten umgedreht, aber sie hielt durch und vertraute mir, weiterzugehen.

Afton: Der beste Teil des Trips war, den Gipfel des Gannett Peak zu erreichen. Vom Gipfel des Gannett aus die Berge von oben zu sehen gab mir ein tolles Gefühl. Ich fühlte mich so vollkommen und die Aussicht war großartig

Was war der härteste Teil?

Der härteste Teil des Trips war die ständige Angst vor den unkontrollierbaren Gefahren. Meine üblichen Kletterpartner achten auf sich selbst, erkennen Sicherheitsrisiken und reagieren schnell, wenn ein Stein ausbricht oder etwas in der Art. Mit meiner Tochter, die nicht das Wissen und die Erfahrung am Berg hat, war ich nicht mehr in meiner normalen Wohlfühlzone. Das war der härteste Teil, aber es war auch gut, denn ich glaube, wenn man viel klettert, passiert es schnell, sich sehr sicher zu fühlen und zu selbstgefällig zu werden. Es ist auch gut, hin und wieder zu rasten.

Welchen Ratschlag an andere Eltern hast du, die ihre Kinder in die Natur bringen wollen?

Zuerst ist es erst unwahrscheinlich, dass die Kinder mit dir nach draußen wollen. Es ist zwar nicht ihre erste Wahl, aber das bedeutet nicht, dass sie es nicht genießen können. Als ich begann, mit meinen Kids etwas draußen zu unternehmen, waren sie nie wirklich begeistert, aber am Ende sie strahlten sie immer. Ich beschloss sehr bald, ihnen einfach keine Wahl zu lassen. Das ist der Plan für heute und du kommst mit. Es ist ein wenig so, wie ins Fitnessstudio zu gehen, meist hat man keine Lust, aber man ist froh, wenn man doch gegangen ist. Starte mit einer kleinen Wanderung oder einer kurzen Klettertour, und steigere von da aus immer weiter. Mach es zu einer guten Erfahrung und übertreibe nicht!