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Joe Doherty

Im Februar führten wir unsere letzte Trainings-Polarexpedition durch, bevor es für uns im November zum Südpol geht. Wir verbrachten 3 Wochen in Haugastøl, Norwegen (60,5° N 7,9° O), um mit Expeditions365, unter der Führung von Carl Alvey, zu trainieren. Carl nahm bereits an vielen Polarexpeditionen teil, unter anderem die Durchquerung von Grönland und Norwegen, 4 Südpolexpeditionen auf Skiern sowie Kite-Skiing.

Unsere erste Woche bestand aus kurzen Tagesausflügen in die umliegenden Bergregionen des Nationalparks Hardangervidda. Er ist nicht nur der größte Nationalpark in Norwegen (3 400 Quadratkilometer), sondern auch die Heimat einer der größten Rentierpopulationen der Welt und zudem absolut atemberaubend. Der Besuch lohnt sich alleine schon wegen der Halos, sonnengetränkten Lichteffekten, und der überaus vielseitigen Fauna mit Polarfüchsen, Lemmingen und vielen anderen Tieren!

Es war überlebenswichtig für uns, unser Lagensystem an Temperaturen von -20° bis -30° anzupassen. Schweiß tötet – eine simple Aussage. Auf Polarexpeditionen aber eine tödliche Wahrheit. Man darf weder zu warm noch zu kalt sein. Ein Fehler kann dazu führen, dass man sehr schnell auskühlt und die Kleidung mit Eis verkrustet. Bei diesen eisigen Temperaturen trocknet nichts mehr, das einmal nass geworden ist. Ollie und ich machten Übungen, um die Auswirkungen und Konsequenzen von Überhitzung bzw. dem Schwitzen direkt am eigenen Leib zu erfahren. Ähnlich wichtig ist der Schutz vor Wind, denn jegliche unbedeckte Hautstelle, die Windstärken über 40 km/h ausgesetzt ist, hat sofort mit Frostschäden oder sogar Erfrierungen zu kämpfen. Wir sahen einige heftige Bilder von Erfrierungen, weswegen wir uns schworen, immer und überall richtig gekleidet zu sein.

Zu den wichtigsten Lernaspekten gehörte, wie wir unsere Zelte möglichst systematisch und effizient aufstellen konnten. Eines zu verlieren, was bei Windgeschwindigkeiten bis zu 80 Knoten gar nicht so unwahrscheinlich ist, wäre tödlich! In arktischen Verhältnissen ist bei solchen Aufgaben Kommunikation und Planung unerlässlich. Das Gelernte konnten wir dann in der zweiten Woche der Expedition anwenden. Wir durchquerten das Hardangervidda-Plateau in 6 Tagen auf Skiern und zogen dabei die komplette Ausrüstung und den Proviant hinter uns her.

Das Plateau ist typisch für Norwegen: eine riesige Fläche von Hügelketten, eingefasst von unzähligen Fjorden. Die Landschaft, die wir aus dem UK mit seinen steilen und schroffen Bergen gewohnt sind, ist Welten davon entfernt. Man kann sich kaum vorstellen, wie es hier im Sommer aussieht, denn im Winter ist alles dick mit Pulverschnee bedeckt. Fjorde so groß wie Dörfern sind darunter versteckt und können leicht überquert werden, Berghütten sind vom Schnee begraben und Pfade oder Spuren von Skifahrern sind in dieser Jahreszeit kaum zu finden.

Schon als wir aufbrachen, war uns klar, dass das eine anstrengende Erfahrung werden wird. Der erste Tag bestand daraus, unsere 50 kg schweren Pulkas über steile Gelände hinauf auf das Plateau zu zerren. Einen Pulka einen 40 Grad steilen Hang hinaufzuziehen ist wirklich kein Spaß! Es war so steil, dass es einfacher war, die Skier abzuschnallen. Am ersten Camp übten wir, das Zelt so schnell wie möglich aufzubauen. Langsam dämmerte es uns, in welch grausamen Bedingungen wir uns aufhalten würden.

Als es dunkel wurde, begann auch die Kondensation. Bei solch niedrigen Temperaturen kondensiert Feuchtigkeit auf wirklich Allem. Jede Aktivität produziert Kondensation; Atmen, Kochen, Schwitzen, Essen, eine heiße Schokolade – überall Unmengen an Feuchtigkeit! Sie ist unvermeidlich und führte zu konstantem Tropfen, direkt auf unsere Schlafsäcke. Wir konnten das Innere des Zeltes nicht berühren oder uns auch nur bewegen, ohne eine kostenlose Dusche zu erhalten. So würde es auch auf dem Rest des Trips weitergehen. Doch genau das wollten wir: Verhältnisse, die uns auf das Schlimmste vorbereiten, was die Antarktika zu bieten hat.

Wir verbrachten die nächsten beiden Tage damit, die Pulkas über 8 Stunden hinweg 15 Kilometer weit zu ziehen. Einer übernahm die Führung und spurte für eine Stunde, dann hatten wir 10 Minuten Pause, um so viel Essen wie möglich in uns hineinzustopfen, und schon ging es weiter. Es war wichtig, dass wir so viele der 5 500 täglichen Kalorien wie möglich zu uns nahmen – was bedeutete, dass wir in jeder Pause so schnell wie möglich Pringles, Chorizo und Erdnüsse in uns hineinschaufelten.

Am Ende des dritten Tages, als wir am Camp eintrafen, sagte die Wettervorhersage für den nächsten Tag Windgeschwindigkeiten von 80 km/h vorher. Wir bunkerten uns ein und vergruben die Zelte, um uns für die kommenden Verhältnisse vorzubereiten. Wir schlüpften in die nassen Schlafsäcke und versuchten zu schlafen, während der Wind mit zunehmender Lautstärke am Zelt rüttelte. Am nächsten Tag erwachten wir zu heulenden Winden und Schneeverwehungen, die sich auf dem Zelt sammelten. Heute gab es wohl keine Chance, weiterzufahren. Stattdessen blieben wir in unserem ziemlich feuchten Zuhause eingeschlossen, was auch in der Antarktika nicht unüblich ist. Das einzig Positive war, dass der Wind so bitterlich kalt war, dass alles gefror und unser Zelt sogar begann, zu trocknen! Die Langeweile holte uns bald ein, der Gesprächsstoff ging uns aus und auch die hundertste Runde ‚Ich sehe was, was du nicht siehst‘ brachte keine Abwechslung.

Am fünften Tag konnten wir endlich weiter. Gut erholt nach der langen Pause packten wir zusammen und machten uns auf den Weg zurück nach Haugastøl. Unser Guide Carl verließ uns am Ende dieses Tages. Ab jetzt waren wir also auf uns selbst angewiesen, um zu navigieren, unser Lager aufzuschlagen und in den harten Bedingungen zu überleben.

Nach sechs Tagen und fünf Nächten kamen wir stolz und hoch erhobenen Hauptes wieder an unserem Basislager an, da wir nun wussten, dass wir uns in dieser Umgebung effektiv uns sicher bewegen konnten. Für uns und unser Unternehmen Antarktika war das ein großer Moralschub, hatten wir doch die härtesten Bedingungen, denen wir je ausgesetzt waren, überstanden.

Aber noch war das Training nicht vorbei: wir hatten beide noch eine weitere Woche Kite-Skiing vor uns. Wir beide hatten zwar schon Kites geflogen, aber die Kombination aus Downhillfahren mit einem Pulka im Schlepptau, das war doch noch mal eine ganz andere Nummer! Wir merkten, dass es eine sehr steile Lernkurve für uns werden würde. Carls kurze Überprüfung unserer Skikünste auf einem Skihang zeigte, dass wir wohl ziemlich genau so Ski fahren, wie Briten das eben tun! Wir kommen zwar runter, aber nicht sehr elegant! Warum ist die Downhill-Technik so wichtig? Weil das Kitefahren davon abhängt, auf den Kanten lehnend gegen den Zug des Kites zu fahren. Wir brauchten Übung, und wir hatten nur wenig Zeit, mit allem zurechtzukommen. Wir lebten quasi in den Sitzen unseres Kiteskiing-Gurtes! Aber wir machten gute Fortschritte und bald schon fuhren wir kontrolliert und schnell. Je nach Windgeschwindigkeit nutzten wir verschiedene Kites von 9 m, 11 m, 15 m oder 18 m Größe. Bei niedrigen Windgeschwindigkeiten von 15–40 km/h nutzten wir die 15 m/18 m Kites, und bei Winden von 40–55 km/h wechselten wir zu den kleineren 9 m/11 m Kites, um weiterhin die Kontrolle zu behalten.

Gegen Ende der Woche hatten wir gelernt, den Wind zu lesen, die Power Zones zu fühlen und diese zu nutzen, um im Aufwind zu fahren. Unser Selbstvertrauen wuchs und schon bald konnten wir mit Pulka bis zu 40 km/h schnell fahren konnten, und lehnten dabei so weit in den Wind, dass unsere Schultern den Schnee berührten. Angeschirrt verbrachten wir Stunden damit, in einem einzigen Abwind zu fahren. Die Fähigkeit, den Druck durch den Körper zu leiten und ihn dann gleichmäßig auf beide Skier zu bringen, ist unendlich wichtig, um die Geschwindigkeit zu halten. Die wahrscheinlich größte Veränderung nach den drei Wochen in Norwegen war wohl unser wachsende Schenkelumfang!

Nach unserem Training in Norwegen fühlten wir uns gut vorbereitet und startklar für die große Expedition, die vor uns lag. Wir wussten nun, was uns erwarten würde und wie wir dem begegnen konnten. Wir mussten 5 Mal pro Woche trainieren, indem wir Autoreifen zogen, viele Kilometer auf dem Mountainbike zurücklegten und uns überschüssiges Körpergewicht zulegen mussten, um es in der harschen Wildnis der Antarktika wieder zu verlieren. Wenn alles nach Plan läuft, sollten wir am 10. November in Punta Arenas (Chile) und kurz darauf auf dem antarktischen Eisschelf landen. Mehr dazu an dieser Stelle!

Bilder von Håkon Mæland/ MLandPictures

Joe Doherty and Oliver Robinson are heading to Antarctica in November this year with the aim of skiing to the South Pole and kite skiing back. The journey will begin from the Messner Start (80°67’ S 65°00’ W) from where the team will haul their 100kg pulks 566 nautical miles to the South Pole over 45 days. Upon reaching the Pole they will head for Hercules Inlet (80°05’ S 78°30’ W), covering 700 Nautical miles using only the power of the wind.