Words By
Martina Halik

„Was?! Das machst du mit deiner Mutter zusammen?“ sagten die Leute ungläubig. „Eine sechs Monate lange Ski-Traverse der Coast Mountains? Ist sie nicht schon 60?“ Worauf ich antwortete: „Ja und ja.“

Es gibt so viele Gründe, warum ich meine Mutter allen anderen vorziehe; ihre Fitness und Erfahrung, ihr Optimismus und die absolute Gewissheit, dass, wenn es mir überhaupt möglich ist, so etwas durchzuziehen, dann nur mit ihr. Ich gebe zu, wir sind nicht diese athletischen, Energiedrink kippenden, jungen, egoistischen Hühner, an die man denkt, wenn es um eine so episch-schmerzhafte Unternehmung geht. Dennoch haben wir einen Traum und die Bereitschaft, es trotzdem zu versuchen. Nach eineinhalb Jahren Karten wälzen, Lebensmittel dehydrieren und unmögliche Logistik organisieren, taten wir den ersten Schritt auf den ersten Berg, dem noch so viele weitere folgen würden.

Meine Mutter ist nicht wie andere Mütter. Sie ist die zäheste und widerstandsfähigste Person, die ich kenne. Bald würde ich entdecken, dass sie selbst in den schrecklichsten Situationen unglaublich fröhlich und positiv sein kann, und zwar auf ziemlich nervige und doch amüsante Art und Weise. Zum Beispiel als wir zwei elend lange Tage in einem Whiteout auf einem spaltendurchzogenen Gletscher nach einem Nahrungsmitteldepot suchten.

Ich konnte nur daran denken, wie ausgehungert und trostlos ich mich fühlte, und daran, wie schlimm es erst werden würde, wenn wir das Depot niemals finden würden – (wie es am Ende dann auch war). Währenddessen drehte sie sich zu mir um und bestand darauf, mir die atemberaubende Schönheit der grandios filigranen Schneeflocken zu zeigen, die sich an ihrem Ärmel verfangen hatten. Oder als wir uns mitten im unglaublich beengenden Dickicht befanden und ich mit den Nerven am Ende war, drehte sie sich plötzlich mit einem entzückten Lächeln zu mir um und zeigte auf einige hinreißend fette Meisenvögel, die in einem Busch vor sich hin zwitscherten. Und als wir still und leise mit den Skiern durch uralte Wälder fuhren, erwischte ich sie ab und zu, wie sie alte Fichten umarmte. Pupsen im Zelt war auch ein endlose Quelle der Unterhaltung. Meine Mom ist hoffnungslos komisch und schier unzerbrechlich.

Es war diese endlos positive Einstellung und der unbändige Glaube, dass wir diese Exkursion schaffen könnten, was zu unserem letztendlichen Erfolg beitrug. Mit Erfolg meine ich jedoch nicht das Erreichen des Ziels: der kompletten Ski-Traverse der Coast Mountains. Das schafften wir nämlich nicht. Der Hauptfaktor dafür war die geringe Schneedecke in den nördlichen Breitengraden in diesem Jahr. Obwohl wir im südlichen Teil der Gegend über Monate hinweg wahnsinnig kalte Temperaturen und beinahe durchgehend Niederschläge aushielten, war der nördliche Teil von British Columbia und Alaska zu Frühlingsbeginn nur mit einem Drittel der normalen Schneemenge bedeckt.

Produkte, die Martina bei ihrer epischen Traverse nutzte

Wir mussten die niedrigeren Höhenlagen auslassen, um wirklich eine Ski-Traverse und keine „Skier tragen und durchs Unterholz schlagen“-Traverse machen zu können. Unser Erfolg rührte davon, dass wir mit dem, was wir hatten, unser Möglichstes versuchten – und dabei Krankheit und Verletzung vermieden.

Wenn man bedenkt, wie einfach es ist, da draußen zu sterben, hätten wir eigentlich eine Medaille fürs Überleben verdient. Jedes Mal, wenn uns die Piloten unsere Essenspakete brachten, meinten sie „Ihr seht ja immer noch so gesund aus …?“ Ich glaube sie erwarteten, uns mit Frostbeulen übersät, mit fehlenden Fingern, schwarzen Zehen, und offenen, blutenden Lippen anzutreffen. Oder wenigstens humpelnd, wegen den Blasen oder sonst etwas …

Mehr Informationen über Martinas und Tanias episches Abenteuer findest du hier auf ihrer Webseite. Wenn dir diese Geschichte gefallen hat, dann halte die Augen nach Teil 2 offen, der nächste Woche veröffentlicht wird!

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Ski patroller at 5 different resorts, catskiing guide, avalanche technician and avid snowmobiler, there's isnt much Martina hasn't accomplished when it comes to the world of winter sports. Martina had to call on all her experience as she and her mother took on a 2300km epic traverse of B.C.'s coastal mountain range.