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Jim Walton

Um 5 Uhr hatten wir gepackt und waren unterwegs zum Wandfuß der Cima Piccola in den Tre Cima de Laverado, in den italienischen Dolomiten. Ich war nicht mehr hier, seit Neil und ich 2004 die Routen Comici und Cassin geklettert sind. Auf dieser Reise hatte das schlechte Wetter Andy und mich am Vortag aus Bregaglia getrieben. Wenn Du nur 9 Tage Urlaub hast, musst Du dem Wetter folgen, also gingen wir zur Cima Piccola in der Hoffnung, dort etwas trockenen Fels zu finden.

Die South Arête (unser Ziel an diesem Tag) ist üblicherweise als „The Yellow Edge“ bekannt. Ich hatte es 2004 vom Gipfel des Cima Piccolissima aus erspäht. Es ist eine beeindruckende, markante Linie, die überraschenderweise 1933 zum ersten Mal erklimmt wurde! Wie üblich in den Dolomiten gibt es keine Aufwärmrunde, sondern harte Kletterei, von Anfang an. Eine vertikale VS/HVS, 5a Seillänge auf etwas suspektem Gestein, die viele hohe Antritte und Kaminstemmen erfordert. Die Topo meinte, dass die Route ziemlich glatt poliert sei, aber wenn die Italiener glauben, dass das hier schmieriger Fels ist, sollten sie mal den Kalk im Peak District ausprobieren. Das Gestein war geradezu unberührt im Vergleich zu Stoney Middleton.

Die erste Schlüsselstelle war in Sicht, und Andy, das Seilgewehr, schoss los. Nach einigen Grunzern und Kommentaren wie „jetzt bin ich immerhin wach“, war es bald an der Zeit für mich, zu folgen. ‚Bitte lass mich diese Seillänge nicht vermasseln‘, dachte ich, ich will nicht wie ein Idiot aussehen, der beim ersten schweren Stück schon abschmiert. Ein paar weitere Seilschaften unter uns machten sich bereit, aber das störte uns nicht weiter. Wir kletterten mit ordentlicher Geschwindigkeit und waren auch an den Standplätzen effizienter als viele andere. Wir würden schon niemanden aufhalten, hofften wir.

Die Route führte bald etwa 150 m in leichterer Kletterei in die Nordwand des Berges. Nach weiterem eher suspektem Fels und in Seillänge 6 traf Andy auf einen rassigen, schmalen und seichten Riss, der zum ersten wirklich guten Absatz in der Route führt. Die Teams unter uns hatten uns noch nicht eingeholt, also lief es gut und die Topo zeigte als nächstes eine kurze Traverse an.

Mannomann! Was sich da vor mir auftat, war die furchteinflößendste Traverse, die ich jemals gesehen hatte! Loser Fels, kombiniert mit winzigen Tritten, 200 m darunter Geröllhalden. Keine Zeit für Schwäche jetzt. Ich war sehr still, als wir mit Andy die Ausrütung tauschten, so etwas gibt es in UK nicht, auch nicht in Gogarth und nirgendwo anders. Ein tiefer Atemzug, und ein wiederholtes Mantra „Ich bin professioneller Bergsteigerlehrer, VS in allen Bedingungen, ich bin MIA, du schaffst das!“

Ich kam bis zu einem winzig kleinen, hängenden Standplatz. Zwei Schlaghaken und eine Bandschlinge waren in dieser Situation einfach nicht ausreichend für mich. Ich bastelte zwei extra Klemmkeile und einen Friend dazu und machte einen „Gogarth Style“ Standplatz daraus. Sicher. Wir waren noch nicht einmal an der Schlüsselstelle angekommen …

Die Schlüsselstelle, als sie dann auftauchte, war eine zwei Seillängen lange und überhängende Kante. In der Topo war die Schwierigkeit mit UIAA Grad VI angegeben (was ungefähr dem Grad HVS,5b in UK entspricht). Wenn man darunter steht, sieht sie natürlich deutlich schwieriger aus. Um ehrlich zu sein, war ich froh, dass Andy an der Reihe mit Vorsteigen war. Andys Plan war, die beiden Seillängen des Daches zu einer zu machen, was hoffentlich etwas Abstand zwischen uns und dem Team brachte, das inzwischen nur noch eine Seillänge unter uns kletterte.

Andys Vorstieg war phänomenal, schnell und effizient, und mit einigen wilden Stellungen, um durch den Überhang zu kommen. Am Ende war die Seillänge 45 m lang. Andy gingen die Expressschlingen nach 35 m aus, also kletterte er die 5c Züge halt ohne durch, bis auf den Absatz. „Pikant“, so beschrieb er seinen Vorstieg!

„Andy, ich glaube Du hast Dir gerade ein paar Haribo-Krokodile verdient“, Andys bevorzugte Nahrung beim Klettern. Bis dahin hatten wir mit Wasser, Energiegelen und Reis-Krispie-Riegel überlebt. Die Haribos waren für besondere Anlässe gedacht, aber als Andy verzweifelt danach suchte, wurde ihm klar, dass die Krokodile nicht mehr auftauchen würden. Enttäuschung machte sich breit, als er merkte, dass er sie ganz unten am Wandfuß vergessen hatte. Ausgebrannt.

Eine weitere, haarsträubende Traverse für mich führte auf einen ordentlichen Absatz, auf dem ich sogar meine Schuhe ausziehen konnte. Oh, diese Erleichterung.  Nachdem die Schlüsselstelle hinter uns lag, waren es nur noch 100 m in einfacherem Gelände bis wir uns endlich, 7,5 Stunden nach dem Start, auf dem Gipfel sonnen konnten.

Eine Traverse vom Vorgipfel aus führte uns vier Abseillängen hinunter in die Westwand, die Rinne zwischen Cima Piccola und Cima Grande hinunter, und einen einfachen, aber sehr lockeren Spaziergang weiter in der Rinne hinunter. Zum Höhepunkt des Tages fand Andy auch noch seine geliebten Haribo Krokodile am Wandfuß!

Wenn Du die Cima Piccola selbst anpacken willst, sind hier die wichtigsten Dinge, die Du wissen solltest.

Anreise

Am einfachsten fährst Du die Mautstraße (25 Euro) vom Dorf Misurina hoch, die Maut kannst Du sparen, wenn Du vor 7 Uhr oder nach 19 Uhr fährst. So kommst Du direkt zum Rifugio Auronzo, dort gibt es einen riesengroßen Parkplatz.

Unterkunft

In der Nähe der Basis der Route gibt es zwei Hütten. Rifugio Auronzo (40 Min.) und Rifugio Laverado (20 Min.). Wir übernachteten in der Auronzo, ein Zweibettzimmer (ohne Verpflegung) kostete uns 24 Euro mit unserer BMC reciprocal rights card. Man kann auch im Camper auf dem Parkplatz der Auronzo Hütte übernachten. Auch Wildcampen abseits der Hütten ist über Nacht erlaubt.

Beste Reisezeit

Die beste Zeit ist der späte Frühling bis zum frühen Herbst. Ich war zwei mal im August dort. Wenn Du erster auf der Route sein willst, solltest Du früh aufstehen, wir verließen die Auronzo Hütte um 5 Uhr morgens, und waren gerade so die ersten am Einstieg.

Die Route – ‚Spigolo Giallo‘ (The Yellow Edge)

Die Route folgt über 350 m einem beinahe senkrechten Vorsprung. Sie umfasst Kanten, Risse, exponierte Traversen und Platten. Im Großen und Ganzen ist der Fels gut, auch wenn an einigen Stellen Vorsicht geboten ist. Zwei 50 m Seile sollten für die meisten Seilschaften ausreichen. Der Abstieg geht von einem fixen Abseilpunkt aus in die Rinne zwischen Cima Piccola und Cima Grande.

Vielen Dank an Jim für das Summit Special dieses Monats. Wenn Du von seinem Trip begeistert bist, folge ihm doch auf InstagramFacebook und Twitter, oder besuche seine Webseite hier.

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Basecamp

Totem Pole

Having grown up in the Lake District, Jim has been walking, scrambling and climbing for the last 20 years. A holder of the Mountain Instructor Award and an AMI member, he has travelled widely, having climbed extensively in the UK and further afield in places such as the Alps and the Antarctic.