Words By
Sam Farnsworth

Komfort in den Hügeln und den Bergen von UK zu finden ist eine schwierige Kunst. Im Laufe des Tages ändern sich deine Anstrengung und das Wetter oft; so ist es für deinen Körper und deine Kleidung schwer, den richtigen Wohlfühlbereich zu halten. Grundlagenwissen darüber, was man tragen sollte und was für welche Zwecke entworfen wurde, ist nur hilfreich, wenn diese Prinzipien richtig angewendet werden. Das bedeutet, darüber nachzudenken, was man während des Tages tragen wird, und sich an die alten Outdoor-Weisheiten „was man hat, das hat man“ und „wer am Anfang nicht friert, ist zu warm angezogen“ zu halten.

Klettern im Frühling – zwei Herausforderungen an die Bekleidung. Frühlingswetter ist an sich schon launisch, und zusammen mit dem bekanntlich ständig wechselndem Klima in UK, kann ein Frühlingstag in den Bergen für echte Schwierigkeiten sorgen. Die Temperaturen sich rasch ändern, die Sonne brennt, der Wind peitscht, und es ist nicht ungewöhnlich, alle verschiedenen Arten des Niederschlags an nur einem einzigen Tag erleben zu dürfen! Durch die wechselnde Anstrengung beim Klettern kann also kein einzelnes Outfit über den ganzen Tag hinweg perfekt funktionieren. Hier kommt das Lagensystem bzw. Zwiebelprinzip zum Tragen. Verschiedene Schichten ermöglichen es, die Bekleidung zu variieren, indem man einzelne Lagen an- oder auszieht. So ist es einfacher, genau die richtige Mischung zu finden. Doch das Ziel ist, nur das mitzunehmen, was für Sicherheit und Komfort nötig ist.

Wir sind froh, heutzutage eine so große Auswahl an technischer Outdoor-Bekleidung zur Verfügung zu haben. Von Baselayern über Fleece bis hin zu wasserdichten Jacken: alles wurde sorgfältig entwickelt und hergestellt, um in den Bergen richtig ausgestattet zu sein. Schließlich ist die Ausrüstung natürlich nur so gut wie der Nutzer. Bevor man also seinen Bergrucksack packt, sollte man die Wettervorhersage verinnerlichen. Nur so kann man richtig entscheiden, was man mitnehmen sollte – oder wichtiger: zu Hause lassen sollte.

Der Vorteil des Zwiebelprinzips ist die Flexibilität und die Fähigkeit, in unterschiedlichen Verhältnissen warm und trocken zu halten. Besonders ideal sind einzelne Lagen mit mehreren Funktionen, statt solche, die nur in ganz speziellen Verhältnissen helfen. Zum Beispiel kann eine Isolationsschicht mit guter DWR-Imprägnierung leichten Regen abhalten, somit kann eine schwerere wasserdichte Schicht eingespart werden.

Baselayer

Jedes gute Bekleidungssystem beginnt mit einem zuverlässigen Baselayer. Der schickste Midlayer der Welt ist nur effektiv, wenn der Baselayer gut atmet und die Feuchtigkeit gut aufnimmt. Bei kühlerem Wetter kann ein isolierender Baselayer den Bedarf an zusätzlicher Isolierung einsparen. Materialien wie Merinowolle sind atmungsaktiv und nehmen Feuchtigkeit sehr gut auf. So halten sie gleichzeitig warm. Bei wärmerem Wetter sind synthetische Baselayer generell besser darin, die Körpertemperatur zu halten, und sind immer eine bessere Alternative zu Baumwolle. Baumwolle „kills in the hills“ lautet ein altes Sprichwort i (was bedeutet: Baumwolle ist für die Berge ungeeignet und sogar gefährlich).

Mid-layer

Beim Begriff Midlayer denkt man zu erst an das klassische Fleece, was ich aber heutzutage nur noch selten trage. Das ist natürlich eine sehr persönliche Entscheidung, aber eine leichte, synthetische Jacke mit guten Windschutz und einer bequemen Kapuze (die mit einem Helm auch noch gut sitzt) ist für meine Bedürfnisse weitaus besser. Außerdem trocknet sie viel schneller, falls man doch einmal vom Regen erwischt wird.

An kalten Tagen trage ich den Midlayer unter meinem Klettergurt, deshalb nutze ich Midlayer mit möglichst langem Schnitt, um das Hochrutschen oder das nervige Verheddern am Klettergurt zu verhindern. So vermeide ich es, nackte Haut hervorblitzen zu lassen, was nicht nur uncool aussieht, sondern mich auch noch dem kalten Wind aussetzen würde.

Äußere Lage

Wenn es voraussichtlich stark regnen soll oder ich in einem sehr abgelegenen Klettergebiet bin, packe ich eine gute wasserdichte Shell ein. Für die äußere Schicht meines Kleidungssystems wähle ich eine Shell, die wenigstens etwas schweißdurchlässig ist und mich so möglichst trocken hält.

Wenn das Wetter eher windig und kalt werden soll und vielleicht nur ein kurzer Schauer zu erwarten ist, ist eine Softshelljacke meine erste Wahl, da ihre Atmungsaktivität fast immer deutlich besser ist als die einer wasserdichten Jacke.

Es ist nicht immer einfach, zu entscheiden, wann man seine Shell anziehen sollte. Meistens liegt sie genau dann am Fuße des Felsens, wenn man sie am meisten braucht. Um das zu vermeiden, ist es am besten, eine möglichst atmungsaktive Shell zu nutzen: ob eine Softshell oder eine sehr atmungsaktive wasserdichte Jacke wie Rabs Kinetic Plus.

Jacken für den Standplatz

Im Frühling ist für eine Zweierseilschaft auf langen Routen eine einzige übergroße synthetische oder wasserabweisende Daunenjacke meist völlig ausreichend. Beim Wechsel am Standplatz kann man sie einfach tauschen und so hält sie den Sichernden warm, während der Vorsteiger die nächste Seillänge in Angriff nimmt. Dabei ist aber gute Kommunikation gefragt, nicht dass beide eine Jacke mitbringen!

Eine ultraleichte Jacke mit Schnellzugriff

Gerade im Frühling ist es keine schlechte Idee, eine ultraleichte, winddichte Jacke am Klettergurt zu haben. Ihr Gewicht entspricht ungefähr dem einer Expressschlinge. So ist es kein zusätzlicher Aufwand und kann einen großen Unterschied machen. Sie hält zwar bei mehr als leichtem Nieselregen kaum trocken, doch hält sie umso wärmer, wenn man seinen Kletterpartner im Baumwollshirt schlottern sieht. Aber ganz im Ernst: wenn man ganz oben in der Wand im Wind hängt und sichert, spürt man einen klaren Unterschied.

Die untere Hälfte

Kletterhosen sind heutzutage wirklich fantastisch. Eine leichte oder mittelschwere Softshellhose (abhängig von der Wettervorhersage), die so elastisch wie möglich ist, ist an den meisten Frühlingstagen ideal. Für mich ist es ideal, wenn sie am Bund möglichst flach sind und es Reißverschlusstaschen gibt, die auch bei angezogenem Klettergurt gut erreichbar sind. Je nach Wetterlage nehme ich aber oft überhaupt keine wasserdichten Hose mit. Wenn nur leichte Schauer erwartet werden, trocknen die meisten modernen Softshells schnell genug. Man merkt kaum, dass sie nass sind. Wasserdichte Hosen mitzuschleppen, erscheint mir meist einfach als unnötig.

Wer beim Start nicht friert, ist zu warm angezogen

Selbst das perfekte Zwiebelprinzip funktioniert nur im richtigen Kontext. Der häufigste Fehler ist, die einzelnen Lagen zu lange zu tragen. Wer kurz davor ist, die Schlüsselstelle einer Route zu knacken oder sich im Zustieg zur Wand befindet, erhöht seine Arbeitsleistung. Es lohnt sich also, vorauszudenken und etwas zu kühl angezogen loszulegen! Ich empfehle also, eine Lage auszuziehen, bevor es zu spät ist und man schwitzend in einer viel zu warmen Jacke in der Route hängt! Es fühlt sich wirklich fürchterlich an und behindert einen beim Klettern. Allgemein gilt: wenn man denkt, man könne eigentlich keine Schicht mehr entbehren, sollte man genau dies tun.

Kurz und bündig

Das Lagensystem zum Klettern im Frühling kann wie folgt zusammengefasst werden: „Wer beim Start nicht friert, ist zu warm angezogen“, „was man hat, das hat man“, „Baumwolle ist für die Berge ungeeignet und sogar gefährlich“. Alles andere unterliegt dem eigenen Geschmack und der Einschätzung der Wetterlage. Die letzten Faktoren können nur durch Erfahrung perfektioniert werden. Die einzige Lösung dafür ist also, möglichst oft rauszugehen und zu klettern!

Sam Farnsworth has been instructing for fifteen years. His climbing career began in native Devon, and once he'd escaped the cream teas, has taken him all over; from Yosemite, to Venezuela and throughout the UK. Sam runs North Wales-based Gaia Adventures, delivering climbing and summer mountaineering courses, as well as overnight portaledge adventures and sport climbing trips to Spain