Words By
Dave Talbot

Die Nordwand des Triglav sah ich zum ersten Mal mit 19 in dem Buch ‚The Big Walls‘ von Reinhold Messner. Der Berg und die Wand faszinierten mich seit damals.

Dave ist ein Bergsteiger /Ski-Lehrer und bereiste die Kletterberge der Welt, fuhr Ski und kletterte von Amerika bis Thailand Triglav, mit einer Höhe von 2 863 Metern, ist er der höchste Berg in Slowenien und der höchste Gipfel der Julischen Alpen. Im Buch wird die Geschichte der Erstbesteigung beschrieben und es enthält ein großes Farbfoto der wuchtigen Nordwand. Es zitiert Ludwig Sinek mit „… nur wenige Klettertouren haben einen solchen Eindruck in mir hinterlassen wie diese. Von den drei größten Wänden der Ostalpen scheint die Triglav-Wand die Schwierigste“. Die Route wird nur mit IV+ (UK Schwierigkeit ist ungefähr hart bis schwierig) angegeben, also bei einer Wand so groß wie El Cap aber mit einem deutlich vernünftigerem Schwierigkeitsgrad, schien es eine sehr gute Idee, den Flug zu buchen und sie auszuprobieren.

„Du bist kein Slowene, so lange du noch nicht auf dem Triglav warst“

Unser Flugzeug landete in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana. Wir mieteten einen Wagen und fuhren das kurze Stück nach Bled, einer malerischen Stadt, wo wir uns für unseren Versuch an der Wand. Bled ist ein wunderschönes Touristenstädtchen. Das Dorf liegt an einem kristallklaren See, an den Ufern umrahmt von steilen Kalksteinwänden und Burgen, die sich aus den hügeligen Wäldern erheben. Es ist wie im Märchen. Außerdem ist es günstiger als andere Reiseziele in Europa. Wir bezahlten für unser Fremdenzimmer nur 17 Euro die Nacht, daher war es das perfekte Standquartier für den Start in unser Abenteuer.

Am ersten Tag fuhren ich mit meinem Kletterpartner Robyn in das Städtchen Mojstrana. Von hier aus führt ein 13 Kilometer langer prächtiger Feldweg durch die Wälder, an einem Wildfluss entlang bis zum Parkplatz, der für die Besteigung des Triglav vom Norden her genutzt wird. Man muss nur 400 Meter weit vom Parkplatz gehen, um den ersten umwerfenden Blick auf die Nordwand zu erhaschen. 1 400 Meter hoch und 4 Kilometer breit türmt sich die Wand aus dem Wald auf, und der Anblick haut dich aus den Socken. Es gibt dort eine gut platzierte Hütte, die auf der sonnigen Terrasse Essen und Getränke mit einem Blick auf die ganze Wand anbietet. Ein großes Schild in der Nähe zeigt alle wichtigen Kletterrouten auf der Wand und ist einen Blick wert, um genau zu wissen, wohin man ab hier gehen sollte.

Von der Reise am Vortag müde, war es für uns nur ein Erkundungstag, also beschlossen wir, uns den Weg dorthin zu merken, da wir am nächsten Tag bei Dunkelheit starten würden. Der Weg von der Hütte aus ist gut markiert und bekannt als die „Prager Route“. Am Rand der Route steht ein großer Felsblock, in den ein enormer Schlaghaken eingehämmert wurde, von hier aus wurde das Bild der Nordwand in Reinhold Messners Buch gemacht, also hielten auch wir für ein Foto an, bevor wir nach Hause gingen.

Am nächsten Tag, in der unheimlichen Ruhe des Sonnenaufgangs, sah die Wand noch beeindruckender aus. Ich stieg die erste Seillänge vor. Robyn und ich beschlossen, die einfachste der klassischen Routen der Wand zu machen, die ‚Slowenische Route‘. Wir hatten keine Vorstellung davon, wie lange es dauern würde, wie schwer es sein würde, den Weg zu finden oder wie die Qualität des Felses und die Absicherung sein würde – es gab eine ganze Menge Unsicherheiten.

Die Kletterei stellte sich als einfach heraus, wenn auch etwas lose an manchen Stellen, was aber an Felsen dieser Größe zu erwarten ist. Wir bemerkten ganz schnell, dass die Distanz zum Gipfel über uns nicht weniger zu werden schien. Wir bewegten uns gemeinsam über VD-bewertetes Gelände und galoppierten den Fels hinauf. Als ich die Topo checkte, erfreut über unsere Geschwindigkeit, stellte ich fest, dass wir erst den ersten, kleinen Abschnitt geklettert waren. Wir kletterten an Kanten, Wänden, Platten, durch Überhänge und Kamine. Gegen Mittag kamen wir zu den Zlatorog Absätzen, etwa auf halber Höhe der Wand. Wir setzten uns, zogen Bilanz, aßen etwas und beschlossen, es gut sein zu lassen und uns auf dem Prager Weg zurückzuziehen.

Am nächsten Tag wollten wir die Deutsche Route klettern, die an der ganzen Wand verläuft bis hinauf zum Gipfel des Triglav auf 2 864 m und wir wollten in der Wand biwakieren. Die ersten 6 Seillängen waren in schönem Fels, und am Ende der Seillänge 16 erreicht man den Deutschen Turm mit einem Wandbuch, das man unterschreibt und in das man alberne Einträge macht. Der Absatz ist geräumig, man hat eine tolle Aussicht auf die Wand und auf die Route, die man bisher geklettert ist. Ich wurde gewarnt, dass die Wegfindung im oberen Teil der Route schwierig sein würde. Das war absolut der Fall. Ich habe schon viele große Routen gemacht und ich musste meine ganze Erfahrung einbringen, um die richtige Passage durch das Gewirr da oben zu finden. Riesige Platten, von Wänden und Kanten zusammengehalten, die alle versuchten, dich vom Weg abzubringen, aber immerhin war die Kletterei einfach.

Nach weiteren 300 m erreichten wir die Lass Ausstiegsterasse. Von hier aus führt die Deutsche Route nach links und die Lange Deutsche Route nach rechts. Hier sieht man das „Fenster“, ein Loch im Felsen, durch das die Sonne scheint. Wir besprachen unsere Optionen und beschlossen, dass es links besser aussah als die unglaublich lockere rechte Seite, was im Rückblick eine einfache Entscheidung war. Ab dem Lass Ausstieg sind es ungefähr 6 weitere Seillängen und etwas einfache Kletterei, bevor dich die Nordwand ausspuckt und du auf der Spitze des Slowenischen Turms stehst. Dies ist der atemberaubendste Ort auf der ganzen Welt. Das war unser Biwakplatz. Relativ flach, mit einem guten Untergrund aus Stein, war er perfekt geeignet für eine gute Mütze Schlaf. Der Himmel über uns war klar und die Sternschnuppen waren spektakulär.

Es gibt vier Hauptgrate zum Gipfel. Der Nordgrat ist ungeschützt und brüchig, aber folgt der Langen Deutschen Route. In den anderen Routen wurden Fixseile und Klammern befestigt, um den Wanderern und Kletterern einen einfacheren Zugang zum Gipfel zu ermöglichen. Falls du kein geübter Kletterer bist, wählst du besser eine der gesicherten Routen zum Gipfel, einen Klettersteig und nicht die Wanderwege.

Einige Jungs, die wir in Bled getroffen haben, sagten „Du bist kein Slowene, so lange du noch nicht auf dem Triglav warst“, und an diesem klaren und wundervollen Vormittag konnten wir sehen, warum. Horden von Slowenen waren auf ihrem Weg auf den Berg hinauf. Was für eine Aussicht wartete hier auf sie!

Wir stiegen über die Tominsek Route ab, da diese anders ist als die Prager Route, die ich zuvor schon gemacht hatte, und diese enttäuschte ebenfalls nicht. Drehungen, Leitern, Abbrüche, Abklettern und exponierte Traversen. Nur dieser Weg wäre in UK eine Dreisterne-Kletterei.

Fazit

Slowenien ist ein schönes Land und hat den Vorteil, dass es wesentlich günstiger ist als andere alpine Regionen in Europa. Die Gipfel sind nicht höher als 3 000 Meter und Triglav ist der Höchste in Slowenien, wenn du also Deinen ersten 4 000er planst, ist das nicht der richtige Ort dafür. Wenn du aber nach atemberaubenden Wanderwegen und abenteuerlichen Kletterrouten Ausschau hältst, dann ist es ein tolles Ziel. Aber Vorsicht, lass Dich von den Schwierigkeitsgraden nicht täuschen. Du solltest in der Routennavigation sehr erfahren sein und lieber einige Grade tiefer klettern, um die Geschwindigkeit auf langen Routen halten zu können. Es gibt Hütten am Ausstieg der Nordwand, also musst du nicht biwakieren, aber sei trotzdem gut ausgerüstet, denn das Wetter kann schnell umschlagen (wie überall in den Bergen). Das ist eine fantastische Wand, und zieht natürlich viele Kletterer der unteren Schwierigkeitsgrade an. Stell einfach sicher, dass du die nötige Erfahrung für die gewählte Herausforderung hast.

Routen:

Die Nordwand des Triglav kann im Sommer oder Winter geklettert werden, die Wand ist enorm und Kenntnis ihrer Komplexität sind wichtig für den erfolgreichen Aufstieg. Durch die Wand führen hunderte Routen und wie bei jeder Wand dieser Größe, gibt es eine Menge loser Felsen.

Die klassische Route für den Anfang ist die Deutsche Route, die wir auch gemacht haben – eine schwierige bis sehr schwierige Route mit 1 200 Klettermetern. Steh früh auf, wenn du die Route mit Auf- und Abstieg an einem Tag machen willst. Die Route hat 16 Seillängen guter Kletterei und man kann bei den Zlatorog Absätzen aussteigen. Die Zlatorog Absätze sind tatsächlich leichte Kletterei, etwa 5 Kilometer lang (aber ich würde das nicht empfehlen!). Falls du hier aussteigst, sind die folgenden Informationen wichtig, das weiß ich aus Erfahrung!

Nach 16 Seillängen kannst du aussteigen …

Traversiere weiter auf den Zlatorog Absätzen nach links hinauf zu den höchsten Absätzen, aber mach langsam. In einer Linie mit dem viereckigen Block (sehr markante Silhouette) beginn eine lange Traverse des riesige Amphitheater. Sobald du am viereckigen Block bist, gehe an ihm vorbei und gehe 30 Meter hinunter. Drehe nach rechts (auswärts) und drehe Dich in die schmale Rinne hinein. Seile hier einmal ab. Gehe weiterhin in den Rinnen auf und ab mit einem weiteren Abseilen und schließlich noch einmal einem 50 m Abseilen zurück auf die Prager Route – alles ziemlich brüchig und dadurch aufregend.

Oder bleib dran und mache den Rest der Route …

Es gibt vier Klettersteige die zum Gipfel führen. Alle sind aufregend und machen Spaß und sind mit 3 Sternen bewertet. Es gibt eine Menge schwierigere Routen und für einige davon bleibt man mehrere Tage in der Wand.

Kletterführer:

Kletterführer: Popular Climbing Routes in Slovenia by Tine Mihelic and Rudi Zaman (ISBN 978-961-261-340-2)

Beste Reisezeit:

Mai – September. Früh in der Saison wäre es sinnvoll, einen Eispickel mitzunehmen, da sich der Schnee lange in den Rinnen der Nordwand hält.

Anreise:

Du kannst von den meisten Flughäfen nach Ljubljana fliegen, von dort aus ist es eine kurze Fahrt nach Bled.

Unterkunft:

Bled ist eine tolle Ortschaft, um sein Lager aufzuschlagen, aber zweifellos sehr touristisch. Falls Dich das nicht stört, ist es von dort aus nur eine 30-minütige Anfahrt zum Triglav Parkplatz. Als Alternativen gibt es einige Dörfer, die noch näher am Berg sind … Booking.com macht das Leben leichter.

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Basecamp

Mount Kenia

Dave is a mountaineering and skiing instructor and has traveled the world climbing mountains, skiing and rock climbing from America to Thailand