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Text und Bilder von
Michael Bückers

Georgien? Kaukasus? Wo genau ist das? Ich bin sicher nicht der Einzige, der erstmal die Landkarte bzw. Google-Maps befragte, bevor ich letztes Jahr das erste Mal dort auf Skitour war.

Zwischen Russland im Norden und der Türkei, Armenien und Aserbaidschan im Süden hat Georgien bewegte Zeiten hinter und womöglich auch vor sich. Selten habe ich mich allerdings in einem Land so sicher gefühlt wie dort.

Im Folgenden habe ich ein paar Tipps und Infos zusammengestellt, was bei einer Reise nach Georgien im Allgemeinen und einem Skitouren-Trip nach Svanetien zu beachten ist.

 

Flug nach Kutaissi

Auch die Stadt, in die unser Flieger geht, sagt mir erstmal nichts. Mit einer Billigflug-Airline zahlen wir erschreckend wenig für den ca. 4,5-stündigen Hin- und Rückflug und landen um 2.00 Uhr morgens (nach deutscher Zeit ist es immerhin erst 23.00 Uhr) auf dem Mini-Flughafen von Kutaissi in Georgien. Es empfiehlt sich, hier gleich eine Pre-Paid-Handykarte zu kaufen. Die Netzabdeckung ist gut und auch Auslandstelefonate sind mit der georgischen Karte super günstig.

 

Weiterreise nach Mestia

Wir werden bereits erwartet und zur Ankunft gibt es gleich mal Wein. Der erste Toast wird gesprochen. Der erste, aber ganz sicher nicht der letzte. Die Georgier sind ein trinkfreudiges Volk und lassen ihre Gäste sehr gern an ihren alkoholischen Köstlichkeiten Teil haben. Irakli, unser Fahrer, unsere gute Seele und bald auch unser Freund, bringt uns in tiefster Nacht über abenteuerliche Straßen sicher nach Mestia in der Region Svanetien. Das Bergdorf Mestia wird in den nächsten Tagen unser Stützpunkt sein. Von Kutaissi erreicht man es in 4-5 Stunden Autofahrt. Knapp 250 km sind es von Kutaissi nach Mestia, Luftlinie sogar nur ca. 80 km. Allerdings führen die wilden Straßen herum um die Berge des Kaukasus, die im Wege stehen, und bringen uns direkt nach Mestia im Herzen dieses wilden Gebirges.

 

Mestia und Umgebung

Als wir bei Sonnenaufgang und strahlendem Wetter in Mestia ankommen, staunen wir nicht schlecht über die Berge, die uns umgeben. Ushba (4737 m) und Tetnuldi (4858 m) sind sozusagen die Hausberge, auch der Elbrus ist nicht weit (wenigstens geografisch, da der Elbrus auf russischer Seite liegt ist mindestens ein Umweg über die zuständige Visa-Stelle nötig wäre). Bis auf letzteren vielleicht sind dies Bergnamen, die einem Alpenländer nicht unbedingt etwas sagen, nach ihrem Anblick vergisst man die Namen aber sicher nicht mehr so schnell.

Auch im Dorf mit seinen berühmten Wehrtürmen fühlen wir uns gleich wohl. Einfaches, aber sehr gemütliches Hotel, freundliche Leute und wie sich bald herausstellt fantastisches Essen. Eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht. Ich habe versucht, mal kurz ein Brot zu kaufen. Am Ende war ich ca. 1 Stunde beim „Bäcker“, ich durfte nichts fürs Brot bezahlen und war leicht angetrunken. Ganz ähnlich geht’s uns die ganze Woche immer wieder.
Rund um Mestia gibt es zwei Skigebiete. Das Gebiet Hatsvali mit ca. 3 Sesselliften (seit 2017 gibt es einen, der bis direkt nach Mestia hinunter geht), und das Tetnuldi Skiresort direkt am Fuße des gleichnamigen Berges.

Wir sind Mitte Dezember früh dran, die Skigebiete haben noch geschlossen und wir sind weit und breit die einzigen Skitouristen. Wir genießen den Saisonauftakt mit Skitourenequipment. Am Anfang der Woche mussten wir dem Schnee im letzten Jahr noch etwas entgegenfahren, denn unten in Mestia lag noch keiner. Dieses Jahr war auch unten schon Schnee, aber die Unterlage recht luftig. Ab Anfang, Mitte Januar bis in den März hinein ist die Schneesicherheit rund um Mestia sehr gut.

 

Ushguli

Nach den ersten guten Skischwüngen verlagern wir für eine Nacht unser Basecamp und fahren ca. 2 Stunden in den Ortsverbund Ushugli, der zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Die Straße zwischen Mestia und Ushguli wurde in den letzten Jahren stark ausgebaut. Ganz war die Straße bei unserem ersten Besuch noch nicht fertig. Vor allem die alten Straßenabschnitte sind nichts für Passagiere mit Höhenangst. Wir waren froh, einen Fahrer zu haben, dem wir zu 120 % vertrauen.

 

Georgien – bis bald!

Der malerische Ort, noch mehr Wehrtürme, sehr viel Neuschnee und zwei extrem einsame Skitouren waren wohl der Grund, dass wir gar nicht mehr weg wollen aus Ushguli. Nachdem hier kein Winterdienst unterwegs ist und der Rückweg tief eingeschneit ist, sind wir gar nicht so sicher, ob der Wunsch hier zu bleiben vielleicht tatsächlich in Erfüllung geht. Irakli ist sich allerdings sicher… kein Problem für sein Auto. Aber bei dem anhaltenden Schneefall hat er es dann doch etwas eilig loszukommen und wirkt auch nicht mehr ganz so überzeugt. Für uns ist die Rückfahrt genauso aufregend wie die Skitour kurz davor, aber am Ende läuft alles wie geschmiert.

Nach dem Neuschnee kommt wieder das schöne Wetter und wir genießen zwei Skitourentage wie aus dem Bilderbuch. Wenn man schon an den ersten Tagen der Saison den Reißverschluss der Jacke bis ganz oben zu machen muss, liegt die Messlatte hoch. Der Winter 2019/20 muss auch in den Alpen wieder ein guter werden…
Den Kaukasus und Georgien werden wir in guter Erinnerung behalten. Dank der Georgier, dank der Berge und dank des guten Schnees. So ähnlich hat er dann auch geklungen, mein letzter Toast in und auf Georgien. Bis bald Du schönes Land!

Michael Bückers ist Berg- und Skiführer und lebt mit seiner Familie in München. Infos und Details zu Michaels Aktivitäten gibt es auf www.michael-bueckers.de