Words By
Sarah Morris

Puh! WIR HABEN ES GESCHAFFT. Nach 97 Stunden und 31 Minuten, 213 km und 12 000 m vertikaler Höhe können wir nun behaupten, die Mount Rainier Infinity Loop bewältigt zu haben. Nate und ich sind begeistert, und das nicht nur, weil unsere Beine noch funktionieren (was eine sehr angenehme Überraschung ist). Wir schafften es auch, uns einen FKT (Fastest Known Time = schnellste bekannte Zeit) zu sichern. Wir sind das zweite Team überhaupt, das das erreicht hat und ich die erste Frau überhaupt.

Im Sommer 2016 kamen Nate und ich zum Rainier und kletterten an nur einem Tag die Route Disappointment Cleaver (DC) vom Parkplatz aus (Car-to-Car-Stil). Nate startete am nächst en Morgen, um den Wonderland Trail zu laufen/zu wandern, eine 150 km Runde um den Mt. Rainier herum. Er schaffte diesen Solo-Lauf in unter 40 Stunden, mit etwas Hilfe von mir und trotz einer etwas stressigen Begegnung mit einem Berglöwen.

Einige Monate später hörten wir eine Dirtbag Diaries-Episode, in der es um die Geschichte von Chad Kellogg und seinem Vermächtnis, dem Rainier Infinity Loop, ging. Chad starb leider bei einem Kletterunfall am Mount Fitz Roy, noch bevor er diese von ihm erträumte Route beenden konnte.

Die Rainier Infinity Loop beinhaltet die Traverse des Mount Rainier, das Laufen des Wonderland Trail zurück zum Startpunkt, eine zweite Traverse des Mount Rainier und dem finalen Lauf in entgegengesetzer Richtung zurück zum Start- und Endpunkt. Diese Route wurde von Ras Vaughan und Gavin Woody letzten Sommer zum ersten Mal auf Zeit gelaufen.

Sobald Nate das erste Mal von der Route hörte, war er auf sie fixiert und auch ich bekam sie nicht mehr aus meinem Kopf. Natürlich waren wir beim Gedanken daran, die Route zu laufen, unglaublich nervös. Am meisten natürlich wegen der Berglöwen, aber auch wegen der weniger spektakulärer Dinge wie Ernährung, Logistik und dem Gefühl, dass das Ganze eine Nummer zu groß für uns ist und wir dem vielleicht nicht gewachsen sind.  Wir dachten durchaus auch daran, vielleicht zu versagen. Aber das war Teil des Spiels. Egal, ob wir es schaffen würden oder nicht, auf jeden Fall würden wir unseren Horizont erweitern, in Bezug auf den Berg, und auch in Bezug darauf, was zu leisten wir imstande sind.

Ras und Gavon folgten den Guidelines für Fastest Known Times, die Peter Bawkin bei seiner ersten Vollendung der Route festlegte (hier nachzulesen). In diesem Regelwerk ist festgeschrieben, dass man die Person oder das Team, das vor einem die Route absolvierte, über den eigenen Versuch benachrichtigten, den Versuch öffentlich ankündigt und seinen Fortschritt über die Live Tracking-Funktion der Geräte von Spot oder Delorme veröffentlicht. Wir folgten dem Regelwerk und nutzten einen Delorme Satellite Communicator. Nate nahm Kontakt mit Ras und Gavon auf und sie gaben uns Zuspruch und moralische Unterstützung (danke dafür!).

Wo: Mount Rainier National Park, WA

Unser Vorhaben? Der Versuch der Mount Rainier Infinity Loop.

Hier sind einige Dinge, die wir auf dem Infinity Loop gelernt haben. Sie könnten für andere, die es ebenfalls versuchen wollen, oder auch für jede andere große Ausdauerchallenge, hilfreich sein:

1. Raste, aber sei achtsam mit den Übergängen.

Nate und ich unterteilten den Lauf in 4 große Abschnitte. Sektion 1: Von unserem Auto in Paradise aus hoch zum DC klettern und über den Emmons hinunter zu unserem Zelt am White River. Sektion 2: Vom White River auf dem Wonderland im Uhrzeigersinn ungefähr 45 km zurück zum Auto laufen. Sektion 3: Hoch zum DC klettern und den langen Abstieg vom Emmons … schon wieder. Sektion 4: Vom White River ungefähr 110 km im Gegenuhrzeigersinn auf dem Wonderland zurück zum Auto in Paradise laufen.

Für uns war es wirklich wichtig, auch Zeit zum Essen, Trinken und Schlafen einzuplanen. Wir schliefen in unserem Zelt zwischen Abschnitt 1 und 2 etwa eine Stunde, etwa 5 Stunden in unserem Auto zwischen Abschnitt 2 und 3, und weitere 4 Stunden im Zelt zwischen Abschnitt 3 und 4. Natürlich waren wir während der Tour ziemlich müde, aber selbst das bisschen Schlaf half uns definitiv, am Start des jeweiligen Abschnittes mit angemessener Geschwindigkeit loszukommen.

Auf der anderen Seite waren diese Übergänge zwischen den Abschnitten die mentale Hürde des ganzen Dings. Es war unglaublich hart, die Zähne zusammenzubeißen und weiterzulaufen, obwohl du dich eigentlich nur in deinen Schlafsack oder ins Auto verkriechen wolltest. Der härteste Teil für uns beide war wohl, das Auto für den zweiten Aufstieg zum Rainier zu verlassen, in dem Wissen, dass wir nach dem Abstieg auf der anderen Seite entweder würden zurücklaufen oder hin und wieder per Anhalter zu fahren müssen. Aber sobald wir an jedem Übergang erneut entschlossen waren, weiter zu machen, fielen wir in unseren Rhythmus zurück und powerten einfach durch.

2. Trink regelmäßig und iss richtiges Essen (mit anderen Worten: Gels sind echt übel).

Nate und ich erlebten die monströsen Effekte schlechter Ernährung, Dehydration und dem Mann mit dem Hammer. Eines unserer Ziele in diesem Projekt war, gut auf uns acht zu geben. Meistens machten wir das recht gut, aber bei einer Unternehmung wie dieser ist es unmöglich, all die Kalorien, die der Körper verbrennt, wieder aufzunehmen. Es war sehr wichtig, unterschiedliches Essen dabei zu haben, auf das wir uns auch wirklich freuen konnten. Wir beide konsumierten jede Menge Gels, sie sind einfach ein notwendiges Übel, aber ich glaube nicht, dass ich sobald wieder welches zu mir nehmen werde.

Wir hätten nur mehr Wasser mit auf den Rainier mitnehmen sollen. Wir hatten zwar eine „adäquate“ Menge dabei, dennoch was es nicht genug, um uns vor Austrocknung zu schützen. Der Nachteil von mehr Wasser ist natürlich: mehr Gewicht. Im Nachhinein hätte ich aber gerne einige extra Liter Wasser getragen.

3. Plane alles genau durch, aber klebe nicht zu sehr am Plan.

Die Logistik, das Packen, die Zeitplanung usw. waren peinlich genau ausgearbeitet. Ich denke, das war ein Teil des Prozesses, emotional mit dem Projekt zurecht zu kommen. Es half uns, jede Einzelstrecke zu planen, die Ausrüstung zu packen,noch einmal umzupacken, Kalorien zu zählen, und uns in der Zeitplanung zu verlieren. Auch half es uns, später während des Projektes nicht darüber nachdenken zu müssen, wie viel Essen wir in unsere Trailwesten packen müssen, die Steigeisen anpassen zu müssen, oder zu versuchen uns daran zu erinnern, ob wir diese eine Jacke für die nächste Kletterei brauchen.

Trotz aller Planung mussten wir flexibel bleiben. Das war einfach ein zu großes Projekt, um sklavisch an einem Plan festzuhalten. Die Route hoch zum DC am Rainier veränderte sich zwischen der ersten und der zweiten Begehung, was bedeutete, dass wir gefühlt etwas ganz anderes kletterten als am Abend zuvor.

4. Pass auf deine Füße auf.

Auf der Inifity Loop war mein großer Zeh meistens ein einziger blutiger Klumpen. Davon abgesehen kamen wir aber mit heiler Haut davon. Der große Zeh stieß vorne am Stiefel an, da ich den Stiefel bei den zwei Abstiegen nicht richtig fest geschnürt hatte. Warum schnürte ich meine Stiefel nicht richtig? Ich wollte mir nicht die Zeit dazu nehmen. Wir nahmen wir keine Trailrunner mit, um bei der Wanderung zwischen dem Emmons Glacier und White River die Schuhe zu wechseln zu können. Das war ein großer Fehler. Beim zweiten Aufstieg packten wir die Trailrunner ein (das war dieas beste Zusatzgewicht im Rucksack überhaupt). Die Moral von der Geschicht’ ist dieselbe, die ich immer meinen Kindern in den Summer Camps predige: Wenn dir deine Füße weh tun, sag es, halt an und tu was dagegen.

5. Bleib dran: Es ist schwer.

Eine generelle Regel von Nate und mir ist, dass wir für einsame Ziele, wo es keinen Handyempfang gibt, ein Delorme GPS und eine Lademöglichkeit mitnehmen. Das galt auch für dieses Projekt, mit dem Unterschied, dass wir zuvor niemals versucht hatten, ein GPS für 97,5 Stunden am Stück am Laufen zu halten. Mein Mobiltelefon mit Strava-Tracking lief ebenfalls die ganze Zeit (der Infinite Loop zerstörte mein Strava … noch immer weigert es sich, zu laden). Wir luden mein Telefon und das Delorme mit Goal Zero-Ladegeräten am Auto und im Zelt auf, und Nate und ich hatten ein Switch 10 und Flip 20 dabei. Nates Telefon weigerte sich, zu laden, und wurde so zu seinem nutzlosen Ziegelstein, der zudem auch noch Energie verbrauchte. Wir vergaßen nach dem ersten Teil unseres Laufs auch, das Ladegerät im Zelt abzuschalten, was beinahe die Batterie des Ladegeräts zerstörte. Es war wichtig für uns, unseren Fortschritt nachzuverfolgen. Nicht nur, um die Richtlinien zu Fastest Known Times einzuhalten, sondern auch für unser eigenes Risikomanagement. Wir beendeten die letzte Meile zurück zu unserem Auto in Paradise fast sprintend (ich bin mir ziemlich sicher, dass wir überhaupt nicht schnell unterwegs waren), weil wir nur noch 5 % Akkulaufzeit auf unserem Delorme hatten und nicht wollten, dass der Track abbricht. Oh, in welcher Welt wir leben.

6. Brich große Ziele auf sprichwörtlich kleine Schritte herunter.

Eine sehr bekannte und oft genutzte mentale Strategie, welche dir alle Leute nahelegen, die lange Tage in den Bergen verbringen. Und ja, ich nutze sie selbst an kleinen Bergen, bei der Arbeit, im Leben allgemein usw. Für Nate und mich war die Rainier Infinity Loop eine Aneinanderreihung vieler kleiner Abschnitte. Nate erlaubte sich beim ersten Gang hinauf auf das Muir Schneefeld, über das Ganze nachzudenken. Es war zu viel. Ich dachte auch oft über das Ganze nach und hatte einige kleinere (oder doch nicht so ganz kleine?) Panikattacken. Wie ich vorhin erwähnte, unterteilten wir das Projekt in vier Hauptziele. Innerhalb dieser 4 Ziele gab es dutzende Mikroziele. Unsere letzte Sektion (110 km im Gegenuhrzeigersinn auf dem Wonderland) ist gekennzeichnet von unwahrscheinlich langgezogenen Teilstücken, wo man KOMPLETT bis ins Tal hinuntergeht, und KOMPLETT wieder hinauf auf eine Bergwiese – und dann wird das Ganze noch mehrere Male hintereinander wiederholt. In diesen Abschnitten war es das Wichtigste, fokussiert immer nur einen Fuß vor den anderen zu setzen, und irgendwann ist es dann endlich geschafft.

Weniger mitnehmen, mehr machen

Sarah is a "jack of all trades" in the mountains and has enjoyed figuring out creative ways to combine her skill and passion for rock climbing, ice climbing, glacier travel, and long-distance trail running in order to accomplish inspiring mountain objectives in short periods of time. She is the Director of Programs for Mountain Education and Development LLC, where she focuses on managing a staff and providing quality internationally guided trips, rock and ice climbing courses, and remote medicine instruction