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Alexander Kay

Wenn man Afrika denkt, kommen einem Bilder vom Kilimandscharo, dem Nil, der Serengeti-Ebene und den Menschen der Massai Mara in den Sinn. Aber es gibt noch wesentlich mehr auf diesem unglaublichen Kontinent zu entdecken; die unverfälschte Schönheit in Form von Afrikas bestgehütetem Geheimnis: Mount Kenia.

Die Geschichte des Mount Kenia

Einst regierte dieser wirklich grandiose Gipfel als König von Afrika, höher als sein nun größerer Nachbar, der Kilimandscharo. Damals war der Mount Kenia bis zu 7 000 Meter hoch, ein Konkurrent der Giganten von heute im Himalaya. Mehrerer Perioden vulkanischer Aktivität führten zum Einsturz und dazu kamen noch viele Jahrhunderte eiszeitlicher Erosion.

Nur ein Jahr nach der Entdeckung des Kilimandscharo wurde der Mount Kenia 1 849 von einem Europäer entdeckt. Damals lebte der Stamm der Emu an den Hängen des Berges, aber wegen des kalten Wetter und den Bedingungen weiter oben hatte bis dahin noch niemand den Gipfel erklommen.

Viele Jahre kamen und gingen, und mit ihnen viele erfolglose Expeditionen. Der britische Geologe Dr. John W Gregory schaffte es in einem fantastischen Versuch 1893 bis auf 4 730 m, nachdem er viele Stunden auf dem Lewis Gletscher verbracht hatte, bevor er schließlich umkehren musste.

Erst 1899 wurde der Gipfel schlussendlich erobert, von einer Expedition, die 48 Tage dauerte. John Mackinder und sein Team von über 150 Leuten, bestehend aus Europäern, Führern der Massai, Swahilis und Kikuyu starteten in Nairobi. Auf ihrem Weg mussten sie viele Schwierigkeiten überwinden, darunter Krankheit, Hunger und die Feindseligkeiten der dort ansässigen Menschen. Viele Gipfelversuche wurden während der Expedition unternommen, einer davon endete gerade einmal 100 m unterhalb des Gipfels. Schneetreiben und schlechtes Wetter vereitelten weitere Versuche, bis am 13. September 1899 gegen Mittag Mackinder mit seinen Partnern Ollier und Brocherel den Gipfel Batian erreichten, nachdem sie die vorige Nacht in der Nähe der ‘Gendarme’ in der Südostwand des Nelion verbracht hatten.

In den Jahren danach gab es um den Berg wenig Aktivitäten und erst ab 1930 hinterließen einige weitere Abenteurer ihre Spuren. Erstbesteigungen des Nelion, Point John und traversen durch die Gates of Mist wurden alle in dieser Zeit erreicht, und es wurden viele neue Zustiegsrouten zum Berg eröffnet.

Flora und Fauna

Einst mit Eis und Schnee bedeckt zeigt sich der Mount Kenia heute etwas bunter. Basaltspitzen stehen stolz, hoch oben in der glazial-alpinen Zone, erheben sich über eine Vielzahl unterschiedlicher Höhenzonen, jede mit ihrem eigenen Arrangement an Tieren.

Mount Kenia kann in verschiedene Klimazonen eingeteilt werden, jeweils der Höhe über dem Meeresspiegel zugeordnet. Nachdem man die Anbauflächen und Felder hinter sich gelassen hat, beginnt ein majestätischer Regenwald. Dieses extrem reiche Habitat bietet vielen Lebensformen eine Heimat. Eine enorm vielfältige Mischung an Vegetation – eine Fülle von Bäumen, Lianen, blühende Pflanzen, Orchideen, Gräsern und Farnen bieten Deckung und Unterschlupf für Jäger und Gejagte.

Normalerweise bieten die feuchteren Wälder auf der Südseite des Berges eine hohe Wahrscheinlichkeit zur Sichtung von Tieren, darunter auch die ‘Großen 5’ – Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard (obwohl auf dem Mount Kenia Leoparden erst weiter oben, in der alpinen Zone auf 4 500 m gesichtet werden) – aber auch viele anderen Tierarten wie die wilde Elenantilope, Zebra, eine Menge Vögel und das sonderbarste Tier des Berges der Klippschliefer.

Der Klippschliefer ist, so unvorstellbar das auch scheint, der nächste lebende Verwandte des Elefanten; ein Paar prominente Schneidezähne, große, weiche Pfoten und permanent innenliegende Hoden sind die Eigenschaften, die er mit dem Elefanten gemeinsam hat.

Weiter oben, oberhalb des Regenwaldes, findet sich an manchen Stellen des Berges ein Bambusgürtel, und wenn man sich noch weiter nach oben begibt, was wesentlich schneller auf der Nordseite geht, wird es trockener und kühler, und die Gegend bietet nur noch der stärksten Fauna und Flora eine Heimat.

Die Vegetation besteht nunmehr vor allem aus offener Heidelandschaft, Gräsern, Erika und Büschen, und das Pflanzenwelt besteht aus blühender Lobelie, Senecio und Immortellen, die in dieser Zone (über 4 000 m) leben, und nur die hartnäckigsten gedeihen an geschützten Orten neben Moosen und Flechten nahe der Schneegrenze (alpin-glaziale Zone).

Training und Fertigkeiten

Obwohl der Mount Kenia das ganze Jahr über nicht mehr als eine Wanderung ist (wenn man nicht den Gipfel des Batian besteigt), sollte man ihn nicht unterschätzen. Kurz unterhalb von 5 000 m liegt Point Lenana (der höchste Trekking-Gipfel des Berges), der als Hochgebirgsgipfel zählt und Respekt verdient. In dieser Höhe muss der Körper wesentlich härter arbeiten, um mit dem niedrigen Sauerstoffspiegel klar zu kommen. Ein hohes Niveau an persönlicher Disziplin, und gute Selbsteinschätzung ist nötig, um in dieser Höhe zu funktionieren.

Mit einem Team von Trägern ist es unwahrscheinlich, dass man jemals zu schwer trägt, aber es ist dennoch von Vorteil, wenn man im Vorfeld mit einem schweren Rucksack trainiert hat, um sicherzugehen, dass man fit genug ist, physisch und mental, um den Aufstieg zu schaffen, auch wenn es schwierig wird. Es ist offensichtlich, dass vom ersten Tag an der größte Teil der Tageswanderungen bergauf geht, und einige Tage sind leichter als andere. Der letzte Anstieg zum Point Lenana, abhängig von der Route, führt lange und beschwerlich über einen unerbittlichen Schuttabhang hinauf.

In den Wintermonaten (Oktober – Januar) sind Eispickel und Steigeisen nötig, um sicher den Gipfel zu erreichen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass hoch oben am Berg das ganze Jahr lang noch Schnee liegt. Alle, die den Gipfel im Winter versuchen wollen, sollten vorher schon den sicheren Umgang mit Pickel und Steigeisen geübt haben.

Ausrüstung

Der Mount ist zwischen 1 400 m und 5 199 m hoch und ist  das einzige höhere Geländemerkmal in der Gegend. Dadurch stellt er für herrschende Winde ein Hindernis dar, die Keniaan seinen Hängen abregnen.

Bis zu einem gewissen Grad kann das Wetter am Mount Kenia gut vorhersagt werden. Der Tiefdruckgürtel am Äquator ist der Grund für zwei Regen- und Trockenzeiten, die es am Mount Kenia jedes Jahr gibt. Auch wenn am Berg jeweils zwei Jahreszeiten herrschen, bleiben die Wetterverhältnisse während des gesamten Jahres recht ähnlich. Die feuchtesten Monate am Berg sind von März bis Juni.

Am Berg kommen normalerweise ‘aufsteigende’ und ‘fallende’ Winde vor. In einfachen Worten erklärt: wenn am Tag die Sonne scheint und sich die Erde erwärmt, erwärmt sich die Luft und strömt den Berg hinauf (aufsteigend). Sie kondensiert dann am Nachmittag und es beginnt zu regnen. Am Abend, wenn die Erde abkühlt, drehen die kalten Winde und strömen den Berg hinab (Fallwinde). Sie hinterlassen eine kühle, klare Nacht und sogar Frost am Morgen (ohne Wolken kann keine Wärme gespeichert werden). Stell Dir einen Topf vor, bei dem man den Deckel anhebt.

Am Mount Kenia ist es ‘jede Nacht Winter und jeden Tag Sommer’, wie die Einheimischen es ausdrücken.

Ausreichend warme und wasserdichte Ausrüstung sind daher an diesem Berg zwingend nötig. Obwohl die Temperatur am Tag steigt, wird es am Nachmittag und nachts empfindlich kalt und nass. Man kann auch oft Regenschirme auf diesem Berg entdecken.

Zweilagige, warme Stiefel sind die meiste Zeit des Jahres zu viel des Guten, aber im tiefsten Winter können sie nützlich sein. Für alle, die den Gipfel des Batian besteigen wollen, ist Kletterausrüstung wie Helm, Klettergurt und, abhängig vom Können des Bergsteigers, entweder Kletterschuhe oder Bergstiefel zwingend nötig.

Aus naheliegenden Gründen braucht man für eine Besteigung im Winter – zusätzlich zur normalen Ausrüstungsliste für den Sommer – deutlich wärmere Bekleidung, Steigeisen, Eispickel und eine Schneebrille .

Abschließende Gedanken

Mount Kenia ist unbestreitbar beeindruckend. Die Landschaft am Fuße des Berges besticht durch eine Fülle an Farben und eine faszinierende Vielfalt an Tieren, was die Reise zum Gipfel unvergesslich macht. Gemeinsam mit der Tatsache, dass große Gebiete am Berg immer noch von den Stämmen der Kikuyu, Embu, Ameru und Maasai bewohnt sind, bietet er eine wunderbare physische, visuelle und kulturelle Erfahrung.

Für die meisten Menschen ist das Erreichen des höchsten Trekkinggipfels des Mount Kenia, Point Lenana (4 985 m) eine enorme Herausforderung. Wenn Du bei der Besteigung des Kilimandscharo den Geschmack der afrikanischen Berge schon erlebt hast, kann ich Dir den Mount Kenia nur empfehlen. Dieser Berg wird dich nicht enttäuschen. Er ist wahrscheinlich der schönere Berg der beiden und deutlich weniger überlaufen. Deshalb kannst Du am Mount Kenia abseits der ausgetretenen Pfade wandern und wirst mit der Faszination von Afrikas bestgehüteten Geheimnis belohnt werden.

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Empfohlene Ausrüstung für die Besteigung des Mount Kenia

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Alex is an Aspirant International Mountain Leader and Mountaineering Instructor. Working year-round as an expedition leader & freelance instructor, Alex travels with the seasons. Although his work and passions take him to places far and wide, he is always drawn back to his home, at the heart of the mountains in Snowdonia, where the mountains offer world-class rock climbing.