Text und Bilder von
Julian Bückers

Eigentlich ist es wieder wie jedes Jahr. Anfang des Jahres nehmen wir uns vor, einen wirklich „großen“ Sommerurlaub zu machen. Sechs Wochen Kletterurlaub in Nordamerika, oder Neuseeland, wir wollten doch schon immer nach Neuseeland.

Mit unseren drei Kids und Sack und Pack in die Ferne schweifen, das hört sich nach einem sau guten Plan an. Dann, ein paar Augenblicke später, füllt sich der Terminkalender ganz schleichend und auf hinterrückste Weise. Okay, in der ersten Ferienwoche noch diesen einen Job, der ist wichtig. Nicht zu vergessen den Geburtstag unseres Filius. Also vielleicht bleiben wir in Europa, Albanien oder in die Pyrenäen. Dann noch eine Offerte an meine Frau. Klar, wir sind beide berufstätig. Gleichberechtigt! Ach, und der Jahresputz in Kindergarten und Krippe, den dürfen wir nicht übersehen. Letztes Jahr hatten wir es verplant, das gab keine guten Kritiken.

Kurzum, der Urlaub schrumpft und schrumpft. Das riecht nach Abenteuer zu Hause! Wir haben keine Lust auf ausgeschlachtete Pauschalziele oder Ferienwohnungen im Alpenvorland. Wir fragen uns, ob wir ohne Auto auskommen und welche Distanzen wir zu Fuß zurücklegen können. Alles in allem keine revolutionären Überlegungen, doch drei Kinder verändern nun mal den Zugang zum alpinen Raum. Also per Zug nach Garmisch und gleich weiter auf das Zugspitzblatt. Von hier wollen wir starten und gehen zum warm werden bergab. Mit dabei sind zwei Zelte, Schlafsäcke, Matten, Kocher, Klamotten, Windeln, Milchpulver, Brotzeit, Kuscheltiere und diverses unnützes Zeug. Der einjährige Leander macht es sich bei seiner Mama in der Kindertrage gemütlich. Er genießt und schweigt.

Die Motivation ist groß! Durch’s Gatterl in die Leutasch und an der Hohen Munde vorbei ins Inntal. Nach den ersten Tagen gehören bereits wilde Regennächte, getürmte Rindviecher und grantige Jäger zur Geschichte. Ein Pausentag verschafft uns Zeit zum Trockenlegen. Im Ötztal nehmen wir den westlichen Höhenzug. Schön ist es hier, sau schön! Schwammerl, Himbeeren und Blaubeeren en masse befeuern die erschöpften Seelen. Abends kampieren wir an rauschenden Bächen und fühlen uns frei!

Wir schlagen uns weiter durch. Von Sölden geht es hinauf aufs Timmelsjoch und schon finden wir uns im Passeiertal wieder. Der Alpenhauptkamm ist passiert. Das Wetter war nicht immer astrein, aber jetzt zum Ende hin zeigt es sich nochmal von seiner besten Seite. Wir sind alle stolz. Die Kinder auf sich selbst und wir auf sie. Von St. Leonhard nehmen wir den Bus hinunter ins Vinschgau und fahren anschließend von Meran via Bozen mit dem Zug wieder heim.

Zurück bleibt ein überaus erfülltes Gefühl. Nicht mal zwei Wochen waren wir unterwegs und doch war diese Reise so intensiv wie selten ein Trip zuvor. Sie hat uns als Familie geprägt und es ist schön zu sehen, dass die Freude an der Bewegung und die Liebe zur Natur derart leicht weitergegeben werden kann, wenn man es nur versucht.

Über Julian Bückers:

Julian Bückers ist Mitglied des Rab Athletenteams. Er ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Fotograf und Kameramann und lebt mit seiner Familie in München. Mehr zu Julian gibt es unter

https://julian-bueckers.de oder www.instagram.com/julianbueckers.