Photography By
Chris Parsons

In den nächsten Monaten werden wir eine Interviewserie veröffentlichen, in der wir mit Künstlern des Project Pressure über ihre Erfahrungen mit den immer weiter schrumpfenden Gletschern der Welt sprechen. Das Ziel von Project Pressure ist, das Bewusstsein für das Verschwinden der Gletscher weltweit zu schaffen und eine Datenbank über die Veränderung der Gletscher im Laufe der Zeit zu erstellen. Die am Projekt beteiligten Künstler helfen nicht nur, diese Veränderungen zu dokumentieren, sondern erstellen Kunstwerke, welche die Natur der Gletscher und der sie umgebenden Landschaften reflektieren.

 

Chris Parsons, ein freier Fotograf aus London, glaubte nicht, dass er ausgewählt werden würde, als er sich beim Projekt Pressure bewarb. Seit einigen Jahren verfolgte er das Projekt. Er dachte, dass die Arbeit in Nepal „der Trip seines Lebens“ werden könne, erzählte er mir, während wir auf seinem schaukelnden Hausboot saßen.

Chris versuchte, der ursprünglichen Idee des Project Pressure gerecht zu werden, in dem er Wissenschaft und Abenteuer verbinden wollte. Er würde mit einem Team aus Wissenschaftlern nach Nepal reisen, die auf dem Gletscher Forschung betreiben würden, und Chris entschied, selbst auch etwas wissenschaftlicher zu arbeiten. Ein befreundeter Mikrobiologe zeigte ihm kurz zuvor Fotos von Zellkulturschalen, auf denen E. Coli Bakterien wuchsen – so ähnlich, wie man sie in Filmen über Zombies oder infizierte Affen sieht. Chris nutzte dies als Inspiration und beschloss, Proben an verschiedenen Stellen des Gletschers zu entnehmen und die entstehenden Zellkulturplatten mit den Bildern von der Stelle, an denen die Proben entnommen wurden, zu kombinieren. Mikroskopisch und makroskopisch; Seite an Seite.

„Ich dachte, dass das ein guter Kontrast sein würde. Der tote Gletscher, wo allem Anschein nach nichts lebt – aber wenn man auf das mikroskopische Level blickt, gedeihen da Bakterien.“

Chris erinnert sich, dass er seiner Ankunft in Nepal die Gletscher in dieser Gegend kaum erkennen konnte, da sie von Steinen und Murenabgängen bedeckt waren. Die Gletscher waren braun, nicht strahlend weiß oder blau, wie wir sie uns vorstellen.

„Ich war davor schon einmal in Island und habe auch dort Gletscher gesehen, aber die waren ganz anders. Jemand vom Team musste sie mir zeigen, denn ich konnte sie nicht von den Bergen unterscheiden“.

Da sie von Erde bedeckt sind, beschleunigt sich die Schmelze noch weiter: Die helle, weiße Oberfläche reflektiert die Hitze, die dunklere Erde jedoch zieht sie an und wirkt isolierend, wodurch das Eis noch schneller schmilzt. Chris nahm für seine Zellkulturen nicht nur Proben aus dem Wasser, sondern auch von Steinen, Sand und Erde von unterschiedlichen Stellen. Ohne wissenschaftlichen Hintergrund war das eine steile Lernkurve. Obwohl er von den Wissenschaftlern unterstützt wurde, hatte er immer die Befürchtung, dass er in die UK zurückkehrt, die Proben vorbereiten würdeund nichts wachsen würde.

Diese Unsicherheit wegen den Bakterien war ein scharfer Kontrast zu den Fotos, die Chris auf dem Trip machte, die schließlich die andere Hälfte der Arbeit werden sollten. Die Reise durch Nepal verschaffte ihm eine Menge guter fotografischer Gelegenheiten auch abseits des Gletschers, zum Beispiel porträtierte er Überlebende des Erdbebens von 2015 für eine Interviewreihe. Die Hinterlassenschaften dieses Desasters, das in der ganzen Welt für Schlagzeilen sorgte, waren auch nach einem Jahr noch überall zu sehen, aber Chris empfand die Nepalesen trotz der Tragödie als äußerst positiv und, in seinen eigenen Worten „unglaublich freundlich“.

Durch die Art, wie Chris erzählt, wird klar, dass seine Erfahrung mit dieser Kultur einen großen Einfluss auf ihn hatte und er erklärt, dass er gemeinsam mit seinem Vater und seiner Freundin plant, noch einmal dorthin zurückzukehren. Das Highlight seines Trips im Jahr 2016 war allerdings eher physischer als kultureller Natur. Nachdem er einige Tage an Höhenkrankheit gelitten und sich schließlich wieder erholt hatte, erreichte er den Gipfel des Chhuking Ri. Das Gefühl, auf diesem Berg zu stehen, höher als das Everest Basecamp, und die Gletscher, die er in seiner Arbeit so gut kennen gelernt hatte, von oben zu sehen, konnte Chris nur mit dem Wort „atemberaubend“ beschreiben.

Jetzt ist Chris zurück in den UK und in seinem Job und arbeitet daran, die Fotografien und die Zellkulturen für eine Ausstellung zusammenzubringen. Zu seiner großen Erleichterung wuchsen die Proben prächtig und er konnte die bunten Petrischalen gut fotografieren. Die Ausstellung ist derzeit in Planung und weitere Informationen dazu werden bald erhältlich sein.

Erfahre hier mehr über das Projekt Pressure.

REISEFOTOS AUS NEPAL

Mehr über das Projekt Pressure

Project Pressure

A Mere Point in History

Chris Parsons is an artist and freelance photographer based in London. His personal work is currently based around exploring the training experiences of athletes. In 2016 he traveled to Nepal where he undertook a project exploring the bacterial life of glaciers through photography.