Words By
Martina Halik

Um den ersten Teil von Martinas und Tanias Coast Mountain Epos zu lesen, klicke hier!

Meine Mutter und ich sind ziemlich unterschiedlich, aber wir arbeiteten harmonisch zusammen. Jede hatte ihre Stärken und Schwächen. Während der langen Wochen und Monate in der Wildnis, in denen wir die Coast Mountains auf Skiern überquerten, gerieten wir nur hin und wieder aneinander.

Meine Mutter gewöhnte sich langsam daran, unangenehme Nässe auch für längere Zeit auszuhalten. Sie wurde spitzenklasse darin, in einem Whiteout zu navigieren. Ich lernte, stärker zu sein. Ich lernte, nicht aufzugeben, wenn es mal schwierig oder beängstigend wurde, sondern stattdessen sofort nach einer Lösung zu suchen. Ich lernte, die kleinen Dinge zu schätzen, jede noch so kleine Freude des Moments zu genießen, wohl wissend, dass es bis zur nächsten Gelegenheit lange dauern könnte.

Wie man von solch einem langen, schwierigen und einsamen Trip erwarten würde, gab es eine ganze Menge Herausforderungen: Es gab Lawinen, tückische Gletscherspalten, mehrtägige Winterstürme, gefährliche Flussdurchquerungen, schwere Rucksäcke, Hunger und betäubende Kälte. Selten, dafür aber umso wertvoller war der Lohn für unsere Mühen: Die Freude über einen nach stundenlangem Suchen endlich gefundenen Nahrungsmitteldepot, zufällig entdeckte magische Eishöhlen, der Anblick des aufgehenden Vollmonds über dem Gletscher, der Geschmack des letzten Stückchens Schokolade, die Berührung eines uralten, knorrigen Stammes einer gefährdeten Weißstämmigen Kiefer. Es gab perfekte Powderschwünge, wir konnten im Regen nackt und erschöpft in einer heißen Quelle baden, und verspürten die einfache Zufriedenheit, in einen Schlafsack zu schlüpfen und zu wissen, dass wir einen weiteren Tag geschafft hatten. Langsam erweiterte sich unser Bewusstsein, unsere Körper passten sich an die Strapazen an, und Konzepte wie Kälte, Nässe und Erschöpfung wurden neu definiert.

Natürlich stritten wir uns auch, immer über banale Dinge, die uns in dem Moment aber unheimlich wichtig erschienen. Ich gebe so einige nervige Kommentare ab, wenn jemand anderes den Pfad verlässt. Andererseits wäre Mom eine gute Anwärterin für olympisches Gold, wenn Herumtrödeln eine anerkannte Sportart wäre. Während ich zu viel über Dinge meckere, die ich nicht kontrollieren kann, braucht Mom morgens 40 Minuten dafür, ihre gefrorenen Skistiefel anzuziehen.

Trotz des gelegentlichen Gezickes dauerte es nie lange, bis wir uns wieder vertrugen. Wir hatten ja auch keine andere Wahl. Hier draußen sind wir völlig aufeinander angewiesen – die eine kann nicht ohne die andere überleben. Wir sind ein Team und müssen uns aufeinander verlassen können, um am Leben zu bleiben. Unsere schlimmste Meinungsverschiedenheit über den Routenverlauf dauerte nicht lange, da ich kurz darauf von einem Schneebrett erfasst wurde. Von einer sicheren Felsnase aus konnte Mom nur entsetzt zusehen, wie ich von der Moräne hinunter auf den Gletscher und außer Sicht gezogen wurde. Schluchzend fielen wir uns wenige Minuten später in die Arme, und uns wurde klar, wie dämlich der Streit war. Und dann ging es einfach weiter. Es gab schlicht keinen Platz für Zwietracht oder lähmende Emotionen.

Produkte, die Martina und Tania auf ihrer epischen Traverse nutzten

Die Tage zogen nicht einfach nur so vorbei. Ich erinnere mich an jeden einzelnen Tag der Expedition, jeder Tag ein Juwel, das ich aus der Schatzkiste meiner Seele herausholen und bewundern kann. Ich kann zu jedem Punkt auf der Landkarte sagen, was an diesem Tag passiert ist – sogar wie das Wetter dort war. Ich kann die Herausforderungen einzeln aufzählen und beschreiben, wie die Landschaft aussah (sofern wir überhaupt etwas sehen konnten). Ich kann die Emotionen beschreiben, erklären, ob es ein Tag war, an dem ich aufgeben und nur noch nach Hause wollte oder ob ich ewig so hätte weitermachen können.

Am Ende, in der letzten Woche in Alaska, fantasierte ich nur noch davon, in der glitzernden Südsee in einer Hängematte unter Palmen zu liegen und ein gutes Buch zu lesen. Ich würde sauber und barfuß sein und hätte nur einen Bikini an. Ich würde nichts Schwereres tragen als einen Mai Tai mit einem kleinen Schirmchen oder eine reife Mango, die ich gerade erst vom Baum gepflückt hätte. Mom hingegen wollte am liebsten direkt mit einem großen Schritt vom Berg in die Straßen von Skagway treten und von dort aus direkt in ein voll ausgestattetes Expeditionskanu – um wieder auf einer monatelangen einsamen Expedition in der Wildnis unterwegs zu sein. Ok, wahrscheinlich würde sie sich erst eine extragroße Pizza gönnen, aber dann würde sie wieder davon träumen, tanzende Polarlichter aus ihrem offenen Zelt heraus zu beobachten. Vielleicht würde ich mich eines Tages, wenn ich sechzig Jahre alt und tougher bin, auch so fühlen.

Wir gratulieren den beiden bedanken uns vielmals bei Martina und Tania. Um mehr über ihr episches Abenteuer zu erfahren, kannst du hier ihre Webseite besuchen.

Ski patroller at 5 different resorts, catskiing guide, avalanche technician and avid snowmobiler, there's isnt much Martina hasn't accomplished when it comes to the world of winter sports. Martina had to call on all her experience as she and her mother took on a 2300km epic traverse of B.C.'s coastal mountain range.