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Greg Boswell

Greg Boswell und Jeff Mercier haben bei ihrem Besuch auf der Insel Senja vor der norwegischen Nordwestküste im Februar 2018 möglicherweise einen Geschwindigkeitsrekord bei der Etablierung neuer Winterrouten aufgestellt. Die Sterne standen günstig: Dank einer Kombination aus guten Bedingungen, einem großzügigen Gutwetterfenster und der jahrelangen Erfahrung beider Kletterer gelang es ihnen, viele vertikale Kilometer über unglaubliches Berggelände hinweg einzusammeln.

Als Jeff und ich uns schließlich im Dezember 2017 für das Ziel dieser Reise entschieden, war ich von dem Ort unserer Wahl total begeistert. Ich war noch nie zuvor auf Senja gewesen, aber es war eine Insel, die ich schon seit Langem einmal besuchen wollte. Sie hat einen Ruf für fantastisches Mixed- und Eisklettern, und die Panoramaaussichten gelten als atemberaubend.

Schon bald war es Februar und ich wartete am Flughafen in Tromsø auf Jeffs Ankunft aus Frankreich. Während ich in dem geschäftigen Flughafen saß und das stetige Treiben des täglichen Stadtlebens um mich herum beobachtete, begann ich, die ersten Blicke auf die wunderbare Schönheit der Natur zu erhaschen, die uns erwartete. Die Sonne ging unter und als ich aus dem Flughafenfenster, an der Betonwüste von Parkplätzen und Gebäuden vorbeiblickte, konnte ich sehen, wie die Abendsonne die Berge, die über den Tromsø-Fjorden emporragten, in ein rosafarbenes Licht tauchte. Ich fühlte Schmetterlinge in meinem Bauch, als mir klar wurde, dass ich den nächsten Sonnenuntergang wahrscheinlich an der Seite eines ähnlichen Berges irgendwo auf der Insel Senja sehen würde.

Jeff und ich hatten nur 8 Tage Kletterzeit in Norwegen und nach den ersten drei Tagen sollte Mathis Dumas ankommen. Ab diesem Zeitpunkt würden wir unsere Zeit hauptsächlich mit Fotografieren verbringen. So wollten wir das Beste aus unseren ersten drei Tagen „freier“ Zeit machen. Nachdem an unserem ersten Klettertag die Sonne aufgegangen war, und ich die atemberaubende Naturschönheit sah, die uns umgab, wusste ich, dass es kein Problem sein würde, gute Fotos zu schießen.

Jeff war bereits ein paar Mal auf Senja gewesen und hatte so einen ungefähren Plan des Gebiets und eine Vorstellung davon, welche Zielen wir erkunden konnten. Wir starteten ziemlich entspannt in den ersten Tag, fuhren in den Fjorden in der Nähe umher und versuchten, mögliche Linien zum Klettern zu erspähen. Wir sahen eine Reihe von möglichen Routen und vergeudeten keine Zeit, um bereits diesen Nachmittag verschiedene steile und anstrengende Linien in Angriff zu nehmen.

Während des gesamten Trips kletterten wir viele verschiedene Klettertouren, von großen alpinen Wänden über harte technische Mixed-Routen bis hin zu einigen steilen Eislinien. Insgesamt unternahmen wir in den acht Tagen sieben neue Routen. Drei davon auf großen, unbezwungenen Wänden und alle mit einem erstklassigen Blick auf die norwegische Landschaft mit ihren makellosen Fjorden. Der Kletterstil war den schottischen Mixed-Routen, an die ich gewöhnt bin, sehr ähnlich, und schon bald bahnte ich mir meinen Weg bequem routiniert über ungeklettertes Gelände nach oben. Bei den größeren Bergrouten hatten wir mehrmals Probleme bei der Routenfindung, doch diese zusätzlichen Schwierigkeiten waren zu erwarten. Sie sind schlicht und einfach Teil des Abenteuers, das wir suchen und insgeheim lieben.

Ich könnte alle neuen Routen auflisten, die wir bestiegen haben, und sie detailliert beschreiben. Jede einzelne von ihnen war ein beeindruckendes, außergewöhnliches Erlebnis; einige waren sehr schwierig, andere relativ unkompliziert. All diese Erfahrungen gehören mit zu den besten Klettertagen, die ich je erlebt habe, und ich weiß, dass es schwer sein wird, eine bessere und produktivere Klettertour zu organisieren.

Doch es war mehr als nur einige spannende Kletterrouten: Senja ist zweifellos einer der schönsten Orte, die ich je zum Klettern besucht habe. Die Erinnerung an die Bezwingung der Nordwand des Breidtinden nach einem furchteinflößenden Sims unter dem durch die Aurora grün und rosa gefärbten Nachthimmel, wird mich für den Rest meines Lebens begleiten.

Ich kann einen Besuch auf Senja nur empfehlen, sei es zum Klettern oder einfach nur, um die wundervolle Landschaft zu genießen. Du wirst garantiert nicht enttäuscht werden.

 

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