Words By
Emily Scott

Der Gebirgskamm Cuillin Ridge auf der Insel Skye lehrt viele Munro-Besteiger das Fürchten. Ich war keine Ausnahme. Die berüchtigte Inaccessible Pinnacle (wörtlich die „unerreichbare Felsnadel“ oder die „Inn Pin“), ist der einzige Munro, für den man ein Seil braucht. Auch wenn es nicht die herausforderndste oder technischste Kletterpartie ist, gehört es nicht zum Repertoire der meisten Bergwanderer. Wie an vielen anderen Teile des Cuillin Ridge ist auch hier die Ausgesetztheit die wahre Gefahr. Es ist leicht zu erkennen, wie ein Fehler schwerwiegende, vielleicht sogar tödliche Folgen haben kann. Diese Besteigung bereitete mir große Sorgen, und da ich meist allein war, stellte sich mir die Frage: wie könnte ich damit umgehen?

Ed und Aaron, meine Kollegen von der British Adventure Collective, trafen mich am vereinbarten Wochenende auf Skye, wo wir geplant hatten, die Cuillin-Ridge-Traverse und alle 11 Munros der Black Cuillins gemeinsam in Angriff zu nehmen. Doch wie so oft auf Skye, hatten die Wettergötter andere Pläne. Als wir uns am Samstagnachmittag auf den Weg machten und in feuchte Wolken hinaufstiegen, hofften wir, dass das Wetter – wie vorhergesagt – wechseln würde. Nachdem wir die zwei südlichsten Munros des Kamms in wahrhaftem Driech*-Wetter bestiegen hatten, verbrachten wir eine kalte, nasse Nacht in unserem Biwak – immer noch optimistisch, dass die dicke Wolkenschicht sich am nächsten Morgen lichten würde. Wir standen zu Sonnenaufgang auf, auch wenn die Sonne in den diesigen Cuillins nirgends zu sehen war. Die Felsen waren feucht und die steilen Abhänge schienen endlos tief. Es war praktisch unmöglich, sichere Pfade zu finden, und so gaben wir nach nur 2 Munros auf und kehrten frustriert ins sonnige Tal zurück. Das Wetter wechselte tatsächlich, und Ed sagte, dass die Cuillins endlich aus den Wolken hervortraten, als er die Insel verließ.

Kurz darauf wartete tatsächlich eine Gutwetterperiode auf mich, und ich arbeitete den Rest des Gebirgskamms innerhalb einiger Tage ab, an denen ich die atemberaubende Schönheit der Insel und die angenehme Griffigkeit des trockenen Gabbro-Gesteins in vollen Zügen genießen konnte. Als ich den Inn Pin bestieg, begleitete mich ein Kletterführer. Es war wirklich wundervoll, die Unterstützung und das Know-how von John Smith von Skye Adventure an meiner Seite zu haben. Er kannte den Cuillin Ridge wie seine Westentasche, so konnte ich mich entspannen und die Erfahrung voll auskosten.

Ich verließ Skye mit dem Wunsch, zurückzukehren und die komplette Cuillin-Ridge-Traverse zu unternehmen, sowie mit Muskelkater in den Wangen vom vielen begeisterten, überglücklichen Grinsen. Endlich verstehe auch ich den Hype um Skye, auch wenn ich fürchte, dass ich wohl meine gesamten Gutwetterreserven für die Insel aufgebraucht habe. Während des Projekts 282 gab es viele weitere klare Tage, an denen ich von meinem Gipfel aus die Munros sehen konnte, die ich bereits erklommen hatte und die noch vor mir lagen. Wenn nur irgendein Munro von Wolken bedeckt war, waren es auch die Cuillins auf Skye. So war ich umso dankbarer für das gute Wetter während meines Aufenthalts dort.

Mit dem Drang, rechtzeitig zur Oktoberhochzeit meine Tour zu beenden und stürmisches Herbstwetter zu vermeiden, war mein letzter Push auf Ben Lomond wirklich schwer. Als ich 216 von 282 Munros bestiegen hatte, hatte ich mein Enddatum auf drei Wochen später gelegt. Nach einem Morgen an dem ich meine Karten studierte, Routen und lange Tage in den Hügeln plante, wanderte ich los, um vier Munros zu besteigen und auf Schottlands wohl kultigstem Berg innezuhalten, dem pyramidenförmigen Gipfel Stob Dearg, des Buachaille Etive Mor, der neben der A82 auf der Strecke von Glencoe nach Fort William emporragt. Doch der „Regenschauer“, der begann, als ich mein Fahrrad zurückließ, stellte sich 7 Stunden später, als ich im Dunkeln den Gipfel des letzten Munro des Tages erreichte, als heftiger, nicht enden wollender Wolkenbruch heraus. Ich hatte geplant, an dem Abend noch ins Glen Etive zu radeln und dort zu campen, doch als ich endlich mein Fahrradschloss öffnete, waren meine Hände so kalt, dass ich sie nicht mehr in die Handschuhe kriegte. Sie fühlten sich wie Krallen an und ich konnte meine Bremsen kaum benutzen. Nicht gerade ideal auf einer regnerischen, vielbefahrenen Straße im Dunkeln! Ich beendete den Tag und stellte mein Zelt auf einem Rastplatz auf, wo ich leider wegen den vorbeirasenden Lkw kaum zur Ruhe kam.

Doch als ich am nächsten Morgen meinen Kopf aus dem Zelt reckte, wurde ich von strahlendem Sonnenschein und dem berühmten „Bookle“ vor klarem, blauem Himmel begrüßt. Ich konnte mein Glück kaum fassen! Ich radelte in Richtung Glen Etive voller Vorfreude auf die kommenden Tage – die letzten meiner Expedition. Die Sonne versetzte mich in gute Stimmung, auch als ich meinen Weg zum Beinn Fhionnlaidh, dem zweiten Munro des Tages, zum gefühlt 100. Mal zurückverfolgen musste, um einen Pfad entlang der unwegsamen schmalen Klippen und Felsterrassen zu finden. Nachdem ich mich lange an unsicheren grasigen Hängen und über feuchte Felsen an steilen Klippen entlanggearbeitet hatte, war ich unendlich froh, den Gipfel zu erreichen und auf einfacherem Weg zu meinem Fahrrad zurückzukehren. Es war dunkel und kalt, als ich zu meinem Zelt zurückfuhr, doch der Himmel war so klar, dass die Berge als schwarze Silhouetten vor den Sternen emporragten und die Milchstraße mir den Weg leuchtete. Es war mein letzter Gutwettertag.

Die nächsten paar Wochen waren eine wilde Mischung aus Wind, Regen und immerwährender Müdigkeit. Es war viel härter, als alles, was ich bis dahin durchgemacht hatte, und ich war ständig den Tränen nahe. Nie war ich so kurz davor, aufzugeben, wie am Tag, nachdem ich alle Munros im Glen Etive erklommen hatte. Es war wirklich miserabel. Ich stapfte zum entlegenen Beinn Sguilard im Wind und Regen auf nassem, unwegsamem Untergrund voller Gras und Farnkraut, das so groß war, dass es mich an der Nase kitzelte (zugegebenermaßen also nicht sehr groß, aber trotzdem unangenehm!). Danach fuhr ich im strömenden Regen zurück zu meinem Zelt. Nachdem ich meine gesamten Essensvorräte verschlungen hatte, kuschelte ich mich im Schlafsack ein und war einfach nur froh, im Trockenen zu sein. Als es am nächsten Morgen immer noch wie aus Eimern schüttete, ich meine nasse Regenkleidung anzog und mein nasses Zelt zusammenpackte, war es mit meiner Stimmung dahin. Ich hatte meinen absoluten Tiefpunkt erreicht. Wäre jemand im Auto vorbeigefahren und hätte mir angeboten, mich mitzunehmen und dem Projekt ein Ende zu setzen, wäre ich überglücklich eingestiegen. Stattdessen blieb mir nichts anderes übrig, als mein Fahrrad zu beladen und weiterzufahren. Als ich über das Rannoch Moor fuhr, hörte es auf zu regnen und ich gönnte mir eine Übernachtung im Hotel Bridge of Orchy. Ich hängte meine nasse Ausrüstung zum Trocknen auf und schleppte mich zu den vier Munros des Black Mount. Das Wissen, dass danach eine heiße Dusche, ein richtiges Abendessen (keine Instantnudeln) und ein bequemes Bett auf mich warteten, war genau die Motivation, die ich brauchte.

Ich habe mich noch nie so erschöpft gefühlt wie in diesen letzten Wochen. Eine Erschöpfung, die sich auch gesundheitlich bemerkbar machte. Ich zog mir eine schwere Entzündung in den Fingern zu, die mein Körper nicht bekämpfen konnte. Andrew, ein Arzt, mit dem ich mich im ersten Monat im hohen Norden angefreundet und mit ihm 5 Munros bestiegen hatte, war meine Rettung. Er hatte sich entschieden, für einen Tag dazuzukommen und die 7 Munros der Ben-Lawers-Gruppe mit mir zu besteigen. Er diagnostizierte eine akute Nagelbettentzündung, für die ich Antibiotika brauchen würde. Wer die grausigen Einzelheiten möchte: meine Haut an den Fingers löste sich auf und ich litt an Desquamation. Kurz gesagt, es tat furchtbar weh und sah schrecklich aus. Die Antibiotika wirkten jedoch Wunder, und all meine Finger sind nun wieder intakt.

Auch in der letzten Woche wartete noch Einiges auf mich. Ich bestieg 28 Munros, legte beinahe 200 km zu Fuß zurück, kletterte etwas über 18 000 m (mehr als zweimal die Höhe des Everests vom Meeresspiegel aus gemessen) und fuhr weitere 200 km auf dem Fahrrad. In dieser Woche hatte ich mit Sturmböen von bis zu 160 km/h (vielen Dank, Sturm Ali), Schnee, sintflutartigem Regen und scheinbar unendlichen Stunden in Dunkelheit zu kämpfen. Es als „spannende Woche zum Abschluss“ zu beschreiben, wäre definitiv die Untertreibung des Jahres. Als ich Loch Lomond auf einem SUP-Board in Richtung Rowardennan überquerte, wo 15 Mitstreiter (5 von ihnen hatte ich unterwegs kennengelernt) mit mir den letzten Munro besteigen würden, war ich vor lauter Erschöpfung beinahe in Schockstarre. Das nun der letzte Gipfel vor mir lag, schien mir praktisch unmöglich.

Während die körperlichen Anforderungen des Projekts 282 wirklich enorm waren, waren die mentalen Strapazen der Einsamkeit die größere Herausforderung. Ich bin gerne allein unterwegs, aber trotzdem bin ich leutselig und vermisste es häufig, Gesellschaft zu haben. Ich rede oft mit Tieren, aber während der Tour gab es Situationen, in denen ich ernsthaft auf die Antwort eines Rehs, Schneehuhns oder Kaninchens wartete, das ich gerade begrüßt hatte. So etwas macht einem eindrucksvoll klar, dass man schon zu lange allein unterwegs ist!

Es half mir sehr, Musik zu hören und mitzusingen oder Tiere zu beobachten, statt auf die lange, unwegsame Strecke vor mir zu starren. Andere Gedankenspiele hielten mich auch bei Laune: an kalten, nassen Tagen dachte ich oft darüber nach, an welche warmen, trockenen Orte ich nach der Expedition reisen würde.

Ich weiß noch nicht genau, was als Nächstes ansteht, aber einige erste Ideen habe ich schon. Ich werde definitiv nach Schottland zurückkehren! Außerdem habe ich mich für ein 90 km langes Skilanglaufrennen im Februar in Schweden angemeldet, zusammen mit einem meiner neuen Freunde, die ich in einem Bothy kennengelernt habe. Ich bin noch nie nordisch Ski gefahren, ich muss mich also ranhalten, es zu lernen!

*Driech: Schottisches Wort für trostlos, miserabel, trist, freudlos, düster. Eine Definition beschrieb es als „eine Kombination aus diesigem, bewölktem, regnerischem, kaltem, nebligem und unangenehmem Wetter“ und dass mindestens vier dieser Adjektive zutreffen müssten, um das Wort richtig zu gebrauchen. An dem Sonntagmorgen, an dem wir von den Black Cuillins abstiegen, trafen definitiv alle von ihnen zu. Und das, während der Rest Großbritanniens (und Europas!) unter einer Hitzewelle litt!