Words and Photographs by
Peter Funch

Projekt Pressure ist eine Hilfsorganisation, die versucht, durch Kunst ein Bewusstsein für die schmelzenden Gletscher zu schaffen. Sie erstellen eine Datenbank von Fotografien, die den Rückgang der Gletscher über die Zeit festhalten und unterstützen Künstler, die zu den Gletschern der Welt reisen und Kunstwerke kreieren, welche die Auswirkungen der Erderwärmung aufzeigt. Rab unterstützt das Projekt Pressure seit mehreren Jahren mit Expeditionsausrüstung. Die Menschen hinter den Arbeiten sind ausnahmslos faszinierend, und um das Bewusstsein für ihre tolle Arbeit weiter zu schärfen, produzieren wir eine Serie mit den Profilen einiger Künstler.

„Wenn ich dachte mein Projekt war zu ende, begann ein Neues“

Peter lebt in New York und war somit am geeigneten Ort, um die Gletscher von Washington State zu erkunden. Diese Gegend zog schon immer amerikanische Touristen an und Peter war schnell fasziniert von den Souvenirs, die über die Jahre für diese Gegend hergestellt wurden. Schon lange war er begeistert von Postkarten und als er alte Postkarten von den Gletschern Washingtons entdeckte, hatte er die Idee.

„Ich hatte immer eine Faszination für Postkarten und ich suchte nach Karten der Gegend bei eBay. Ich erfuhr, wer sie gemacht hat, und die meisten hatten einen Titel, die angaben, wo sie fotografiert wurden.“

Mit Hilfe von Google Earth konnte Peter die Orte, wo die Fotos gemacht wurden, ausfindig machen und entschloss sich, sie zu reproduzieren. Sein Plan war, die Fotografien im Stil der Originale nachzustellen, allerdings mit einem wichtigen Unterschied: die modernen Fotos würden viel weniger Eismassen als das Original zeigen und so den Verlust über die Jahrzehnte hinweg dokumentieren.

„Ich wollte, dass die Leute den Verlust der Gletscher im Kontext der Geschichte sehen. Der Moment, in dem diese Postkarten gemacht wurden, würde nie wiederkehren, die Zeit würde nie zurückkommen“

Mit dem Wandel der Gletscher, die Peter neu fotografiert hatte, konfrontiert, sind wir gezwungen, den heutigen Tag als nur einen Punkt in der Geschichte wahrzunehmen. Werden die Gletscher, wie wir sie gerade sehen, jemals wieder so groß sein oder werden sie weiter abnehmen, wie es in der Vergangenheit geschehen ist?

Um diesen historischen Kontext zu vermitteln und die neuen Fotografien im alten Stil zu produzieren, nutzte Peter eine Rot-Grün-Blau-Farbseparation für die Bilder. Diese Technik wurde ganz am Anfang der Farbfilmfotografie verwendet, dafür mussten drei Belichtungen gemacht werden, eine mit einem roten, eine mit einem grünen und eine mit einem blauen Farbfilter. Diese wurden dann kombiniert, um das endgültige Bild zu erstellen. Obwohl Peter jetzt digital arbeitet, konnte er diesen Prozess mit Farbfiltern für seine Kamera und etwas Nachbearbeitung emulieren.

Peters Projekt ist inzwischen beinahe fertig und geht noch dieses Jahr mit Project Pressure auf Tour. Auf einer persönlichen und professionellen Ebene ist das Werk jedoch noch lange nicht fertig. Dieses Projekt war ein Sprungbrett für neue Projekte und neue Bestrebungen. Auf der persönlichen Ebene erweckte seine Zeit in den Bergen die Leidenschaft zum Bergsteigen. Vor seiner Arbeit für Projekt Pressure, war Peter nie beim Klettern, er wuchs „in einem Land ohne Berge“ auf. Nach seinen Trips nach Washington reist Peter jetzt öfter in die Alpen, wo er seiner neuen Leidenschaft, dem Bergsteigen, nachgeht.

„In den Bergen kann man immer Leute sehen, die noch weiter hinauf gehen und ich denke dann immer ‘warum kann ich nicht nur ein kleines Stückchen weiter gehen?’ Und so begann ich, das kleine Stückchen weiter zu gehen“

Seine Arbeit in Washington führte zu weiteren kreativen Projekten für Peter. Während er in den Archiven nach mehr Fotos der Nordamerikanischen Gletscher suchte, entdeckte er eine verblüffende Sammlung von Fotos. Über vier Jahrzehnte hinweg von A E Harrison, einem Professor für Mechanik und Elektronik, aufgenommen, glich diese Sammlung auf manche Weise seiner eigenen. Während der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre, nahm es Harrison, fasziniert von den Gletschern, auf sich und dokumentierte ihr Verhalten fotografisch. Als er begann, glaubten man noch, dass Gletscher statische Eigenschaften hatten anstatt sie als aktive, dynamische Systeme zu verstehen, wie wir heute. Harrisons Beobachtungen waren nicht immer akkurat, und er war tatsächlich Teil einer Bewegung, die damals glaubte, der Erde stünde eine neue Eiszeit bevor. Fasziniert von Harrisons Fotografien und seinem Glauben an ein kommendes Klimadesaster, startet Peter nun ein Projekt, das sich mit diesem Mann und seiner Arbeit beschäftigt.

Es scheint schlüssig, dass am Ende eines Projekts, über die Veränderungen der Gletscher über Jahre, Peter nun entdeckt, dass jemand anderes viele Jahre zuvor eine sehr ähnliche Arbeit gemacht hat, mit einem damals noch gänzlich unterschiedlichen Verständnis von Gletscherkunde. Wieder einmal werden wir im Lauf der Geschichte verankert und daran erinnert, dass, wenn wir von diesen unglaublichen Naturwundern lernen wollen, und unser Wissen über das Harrisons und über den aktuellen Wissensstand hinaus erweitern wollen, wir diese Naturwunder auch für zukünftige Generationen bewahren müssen.

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Originally from Denmark where he studied for a degree in photo journalism, Peter made the shift to the art world after finding that print media was rarely interested in the sort of projects that most excited him